Live & Direkt am 18.8.2021

Bessere Entschädigung für überflutetes Bauernland

Landesrat Josef Schwaiger spricht von "Breitwasser" statt "Hochwasser". Ursachen des Klimawandels müssen stärker bekämpft werden, auch durch die Erzeugung erneuerbarer Energie.

Eigentlich hätte Landesrat Josef Schwaiger derzeit Urlaub. Doch den verbringt der für den Hochwasserschutz zuständige Regierungspolitiker mehr auf überfluteten Feldern, in verschlammten Murengräben, unter Wasser stehenden Kellern. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage haben wieder ganze Ortschaften im Pinzgau und Pongau unter Wasser gesetzt. Schwaiger besuchte die Betroffenen, hörte ihnen zu. "Man muss sich die Zeit für die Menschen und ihre Sorgen nehmen. Manche Politiker machen den Fehler und betrachten Katastrophengebiet als Bühne", sagte er im SN-Gespräch "Live und direkt" mit Chefredakteur Manfred Perterer.

Der Katastrophenfonds arbeite rasch an einer umfassenden Hilfe für Geschädigte. Im September werden die ersten Auszahlungen kommen. "Vorher müssen die Versicherungen ihre Aufgaben erfüllen."

Murenabgänge und Fluten wie hier in Wald zerstören wertvolles Bauernland.  SN/daniel kogler
Murenabgänge und Fluten wie hier in Wald zerstören wertvolles Bauernland.

Eine von den Überflutungen ganz besonders betroffene Berufsgruppe seien die Landwirte, sagte Schwaiger. Nach großen Starkregen-Ereignissen stünden riesige Flächen oft tagelang unter Wasser. Auf ihnen werde das Wasser zurückgehalten, das sonst die Siedlungsräume bedrohe. "Aber diese Flächen sind dann für lange Zeit unbrauchbar, total versandet. Wir müssen die Entschädigungen dringend erhöhen. Und zwar schon jetzt für die aktuellen Fälle und in Zukunft auch", sagte Schwaiger. Sein Motto "mehr Breitwasser statt Hochwasser" habe im Ernstfall die gezielte Ableitung von riesigen Wassermengen in Felder zum Ziel sowie die Aufweitung von Bachläufen, um Ortschaften und Menschen abzusichern. "Zum Schutz vieler Menschen müssen die Landwirte starke Einbußen in Kauf nehmen. Oft steht ihre Ernte auf dem Spiel und damit langfristig ihre Existenz."

Das Land hat in den vergangenen 15 Jahren 750 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Die technische Machbarkeit sei in bestimmten Regionen nahezu erschöpft. Um Gebiete wie den Oberpinzgau auf Dauer zu sichern, sei es notwendig, Regenwasser in den großen Seitentälern zurückzuhalten. Dies könne durch flach angeschüttete, kaum sichtbare stabilisierte Erdschüttungen mit einer Höhe von bis zu 15 Metern erreicht werden. "Kein Mensch redet von einer 35 Meter hohen Staumauer." Auch sei nicht an neue Kraftwerke gedacht. "Aber wenn wir nichts tun, können wir den Oberpinzgau so, wie wir ihn kennen, nicht mehr halten."

Genauso wichtig wie Schutzmaßnahmen sei die Ursachenbekämpfung. Dazu gehöre die verstärkte Erzeugung erneuerbarer Energie aus Wasser, Wind und Sonne. "Mir sind ein paar Kratzer in der Landschaft lieber als ein Klimaszenario, das es den jungen Menschen so schwer machen wird, wie wir es uns gar nicht vorstellen können."

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