Innenpolitik

Voggenhuber tritt für Liste Jetzt bei EU-Wahl an und kämpft gegen "alte Dämonen"

Johannes Voggenhuber tritt für die Liste Jetzt zur EU-Wahl an. Er will vor allem gegen die rechten Parteien ins Feld ziehen. Zum Problem könnte er vor allem für ehemalige Parteifreunde werden.

Er kandidiert um einen EU-Parlamentssitz: Johannes Voggenhuber. SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Er kandidiert um einen EU-Parlamentssitz: Johannes Voggenhuber.

Gegen Ende der Pressekonferenz konnte sich Johannes Voggenhuber als frisch präsentierter EU-Spitzenkandidat der Liste Jetzt einen Seitenhieb gegen seine ehemalige Partei nicht verkneifen: "Die Grünen kandidieren noch immer unter dem Programm, das ich ihnen geschrieben habe", richtete er seinen ehemaligen Mitstreitern aus.

Voggenhuber und die Grünen sind vor rund zehn Jahren im Streit auseinandergegangen. 2009 hatte der grüne Bundeskongress entschieden, dass der Salzburger nicht mehr für das EU-Parlament kandidieren soll. Nun tritt Voggenhuber für die Liste Jetzt an: "Ich bleibe in Zeiten, wo alte Dämonen wieder aufziehen, nicht zu Hause." Damit meint der 68-Jährige den Vormarsch der rechten Parteien in ganz Europa.

Dass er kandidiert, um seine Ex-Partei zu schwächen, bestritt der Alt-Grüne entschieden: Er verschwende seine Lebenszeit "wirklich nicht für Racheaktionen oder niedrige Gefühle". Für die Meinungsforscherin und Politikexpertin Eva Zeglovits vom Institut IFES ist die Sache nicht so eindeutig: "Es ist noch nicht klar, ob er den Grünen wirklich viele Stimmen wegnehmen wird. Aber es ist für die Grünen sicher ein Problem. Immerhin haben sie nun jemanden als direkten Gegner, der sie permanent daran erinnert, dass sie sich mit Parteiurgesteinen zerstritten haben und im Endeffekt so auf Bundesebene gescheitert sind", sagt Zeglovits. Und eines sei auch klar: "Die Stimmen werden eher zwischen den Oppositionsparteien hin- und herwandern und weniger von den Regierungsparteien in Richtung Opposition", sagt Zeglovits.

Dass die Liste Jetzt auf einen erfahrenen EU-Politiker setzt, überrascht die Politikexpertin nicht. "In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Quereinstiege in die Politik nicht immer gut gegangen sind." Fraglich sei allerdings wie viele Wähler Voggenhuber noch kennen. Fest steht, dass ein älterer Kandidat auch junge Wähler ansprechen kann. "Ein aktuelles Beispiel ist die Bundespräsidentschaftswahl. Alexander Van der Bellen hatte sehr viele junge Wähler."

Das Modell "Van der Bellen" will die Liste Jetzt auch in anderer Form kopieren. So ist Voggenhuber offiziell kein Kandidat der Partei Liste Jetzt, sondern wird von ihr unterstützt. Unter anderem mit einer "Anschubfinanzierung", wie es Parteichefin Maria Stern nennt. Rund 250.000 Euro wird die "Initiative 1 Europa" von Voggenhuber bekommen. "Außerdem soll über Crowdfunding Geld gesammelt werden", erklärte Voggenhuber am Montag. Bis Ende März seien jedenfalls Interessierte eingeladen, sich bei der Initiative zu melden. Dann werde auch die Kandidatenliste feststehen. Platz eins ist freilich an Voggenhuber vergeben. Sollte der Einzug ins EU-Parlament gelingen, kann sich Voggenhuber vorstellen, der Fraktion der europäischen Grünen beizutreten. "Man würde mich sicher aufnehmen."


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