Innenpolitik

Volksanwalt fordert Verbesserungen bei 24-Stunden-Pflege

Verbesserungen bei der 24-Stunden-Betreuung Pflegebedürftiger zu Hause fordert Volksanwalt Günther Kräuter. Er plädierte am Dienstag für einheitliche Qualitätskriterien für die 763 in Österreich tätigten Vermittlungsagenturen, verstärkte Kontrollen und eine bessere Finanzierung. Auch über mangelnde Qualifikation der Pflegekräfte und Vernachlässigungen bis hin zu Übergriffen berichtete Kräuter.

Günther Kräuter für einheitliche Kriterien SN/APA (Archiv)/GEORG HOCHMUTH
Günther Kräuter für einheitliche Kriterien

Kräuter berichtete auf der einen Seite über Klagen an die Volksanwaltschaft, dass die 24-Stunden-Betreuung weitgehend ohne Kontrolle erfolge. Auf der anderen Seite würden aber auch die großteils weiblichen Pflegekräfte oft unter falschen Voraussetzungen nach Österreich gelockt und von den Agenturen ausgenutzt, so Kräuter. Anja Silberbauer, Geschäftsführerin der "Harmony & Care GmbH", verwies auf einen Schwarzmarkt mit gefälschten Pflegezertifikaten, die eine Ausbildung bescheinigen, in Österreich aber nicht entsprechend kontrolliert werden.

Der Volksanwalt forderte verbindliche Qualitätskriterien für die Agenturen. Diese sollten etwa die Ausbildung, das Sprachniveau oder die Arbeitsbedingungen regeln. Außerdem tritt Kräuter für intensivere Kontrollen ein. So sollte es auch unangekündigte Überprüfungen im Bereich der 24-Stunden Betreuung geben, diese könnten auch von Hausärzten oder der Patientenanwaltschaft organisiert und an die Förderung und das Pflegegeld gekoppelt werden. Auch den Pflegefonds würde der Volksanwalt an Qualitätskriterien knüpfen. Schließlich bekräftigte Kräuter auch die Forderung nach einer jährlichen Valorisierung des Pflegegeldes, das seit Einführung bereits einen Wertverlust von mehr als 30 Prozent erlitten hat.

Um den Pflegebedürftigen einen besseren Überblick über die Agenturen und deren Angebote zu geben, traten sowohl Silberbauer als auch der Soziologe Franz Kolland für mehr Transparenz ein. Silberbauer plädierte für ein Ranking zur Bewertung mobiler Dienste und eine staatlich geführte Datenbank. Kolland betonte, dass Pflege und Betreuung nicht allein auf staatliche Basis möglich sei. Der Altersexperte trat für einen "Wohlfahrtsmix" ein, für ein Zusammenspiel von Staat, sozialen Dienstleistern und Unternehmen, den Angehörigen und den alten Menschen selbst.

Sowohl Silberbauer als auch Kolland plädierten für mehr Individualisierung, auf der Patienten- wie auch auf der Betreuerseite. Die Menschen wollten sich ihre Wohn- und Betreuungsform aussuchen könne. Der Altersexperte forderte eine weitere Differenzierung der Pflegeformen und den Ausbau alternativer Wohnformen. Die Geschäftsführerin von "Harmony & Care" hat mit ihrer Firma unter wissenschaftlicher Begleitung ein System entwickelt, mit dem Pflegepersonal und pflegebedürftige Personen ideal aufeinander abgestimmt werden können.

Die Gewerkschaft unterstützt Kräuter. Der stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner bekräftigte die Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung einer Ausbildung zum Schutz der Pflegebedürftigen aber auch der Beschäftigten. "Für Reparaturen bei Autos braucht der Mechaniker eine Ausbildung. Für die Betreuung alter, kranker Menschen geben wir uns mit der Hoffnung zufrieden, dass nichts passiert, wenn ungeschulte Kräfte das übernehmen. Das kann es nicht sein", sagte Steinkellner in einer Aussendung.

"Es müssen endlich klare, verbindliche Regeln für die Ausübung der Personenbetreuung ebenso wie für Ausbildungserfordernisse definiert werden." Steinkellner drängt auch darauf, Pflegezertifikate von Kräften aus dem Ausland umfassender zu kontrollieren. Und er erneuert seine Forderung nach einem Ende der 24-Stunden-Betreuung auf selbstständiger Basis. Die Pflegekräfte sollen bei Vereinen angestellt sein und nicht in eine Scheinselbstständigkeit gedrängt werden.

Der Obmann des Fachverbands der Personenbetreuung, Andreas Herz, bekannte sich zur einer Weiterentwicklung der 24-Stunden-Betreuung. Zur Forderung nach Qualitätskriterien für die Vermittlungsagenturen, verwies er auf die bereits existierenden Standesregeln, die sich die Branche selber auferlegt hat.

Quelle: APA

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