Innenpolitik

Volle Anrechnung der Karenzzeiten: Gute Nachrichten für Eltern . . .

. . . und schlechte für die Wirtschaft: Karenzregelung kostet 200 Millionen.

Die bisherige Karenzregelung benachteiligte Mütter – und Väter –, die länger als zehn Monate bei ihrem Kind blieben. SN/apa
Die bisherige Karenzregelung benachteiligte Mütter – und Väter –, die länger als zehn Monate bei ihrem Kind blieben.

Karenzzeiten werden bei Gehaltsvorrückungen seit 1. August voll anerkannt. Für die Bemessung von Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsfristen wurden bisher maximal zehn Karenzmonate angerechnet. Ab jetzt wird für alle Ansprüche, die sich nach der Dauer der Beschäftigung richten - also auch Gehaltsvorrückungen - die gesamte Karenzzeit in vollem Umfang berücksichtigt.

Diese Neuregelung gilt aus Kostengründen allerdings nicht rückwirkend: Dies hätte nach Angaben der Wirtschaft die Unternehmen mit 400 Millionen belastet. Es profitieren also nur Mütter (oder Väter), deren Kinder seit gestern zur Welt kamen. SPÖ und ÖVP reklamierten die Urheberschaft des neuen Gesetzes für sich. Auch die Gewerkschaft äußerte sich zufrieden. Die volle Anrechnung der Karenzzeiten sei ein Schritt, die Gehaltsdifferenzen zwischen Frauen und Männern zu verkleinern, hieß es. Die Wirtschaft reagierte weniger begeistert: "Die Kosten für die neue Karenzzeiten-Regelung werden sukzessive ansteigen und nach Berechnungen der Wirtschaftskammer im Endausbau jährlich 200 Millionen Euro ausmachen", teilte ein Sprecher der Kammer den SN mit.

Und was bringt die neue Maßnahme konkret? Laut Angaben der SPÖ verlor nach der alten Regelung eine 35-Jährige Verkäuferin, die mit 20 Jahren zu arbeiten begonnen hat und mit einem Kind zwei Jahre in Karenz war, durch die Nichtberücksichtigung bei Vorrückungen 5614 Euro Einkommen. Hat sie zwei Kinder und war insgesamt vier Jahre in Karenz, verlor sie 11.788 Euro. Mit der Anrechnung der vollen Karenzzeit wird ihr Lebenseinkommen um diesen Betrag höher.

Wie viele Frauen (und Männer) von der Neuregelung betroffen sind, ist unbekannt. In etlichen Branchen gelten schon seit geraumer Zeit Kollektivverträge, die die die volle Anrechnung der Karenzzeiten auf die Vorrückungen festgeschrieben haben.

Quelle: SN-A.k., Apa

Aufgerufen am 30.10.2020 um 09:38 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/volle-anrechnung-der-karenzzeiten-gute-nachrichten-fuer-eltern-74237749

Kommentare

Schlagzeilen