Innenpolitik

Wahlkampfschluss mit Hymne, Häupl und Hoffnung

Unterstützt von Überraschungsgast Michael Häupl (SPÖ) hat Alexander Van der Bellen den Abschluss seines Präsidentschaftswahlkampfs begangen. Zuvor hatte bereits Norbert Hofer seinen Wahlkampf öffentlich beendet.

Van der Bellen zeigte sich aufgeräumt und gut gelaunt, selbst für das Parodieren seines Gegners Norbert Hofer fand er noch Zeit. Sein Appell: "Lassen Sie mich bitte Ihr Präsident der Mitte sein." Wie schon so oft im Wahlkampf betonte er, dass es nicht nur um die Entscheidung zwischen zwei Personen, sondern um eine Richtungsentscheidung für Österreich gehe. "Unsere Mitbewerber wollen die blaue Republik, sie wollen, dass wir uns noch wundern werden", warnte er. "Ich sage, das wollen wir nicht: Wir wollen und werden uns nicht wundern."

Begrüßt wurde Van der Bellen in einer gesteckt vollen revitalisierten Industriehalle in Wien-Favoriten mit "Mehr denn je!"-Sprechchören seiner Unterstützer. Er bedankte sich mit einer Parodie des Stils seines Stichwahlgegner: "Es ist gaanz lieb, dass ihr alle hergekommen seids", feixte er: "Diese Zuneigung, diese Energie, das überträgt sich auf einen."

"Wir können und werden sie aufhalten"

Schnell wurde der frühere Grünen-Chef aber ernst. Hofers Ausspruch, dass nichts und niemand ihn aufhalten werde, habe ihm sehr zu denken gegeben. "Wir können und wir werden sie aufhalten", so seine Antwort darauf. "Stehen wir zu unseren Werten. Lassen wir nicht zu, dass dieses Land in eine andere Richtung geht." Probleme löse man aber nicht mit Extremen oder Radikalismen, sondern mit Vernunft. Man brauche das Haus Österreich nicht zerstören, nur weil die Fenster undicht seien.

"Wir haben es schon einmal geschafft, und wir werden es ein zweites Mal schaffen", zeigte er sich für den Ausgang der Wahl zuversichtlich. "Ein drittes Mal wird ja wohl nicht notwendig sein." Dann wolle er das seinige dazu beitragen, dass in Österreich Zuversicht und Optimismus zur Erneuerung des Landes regiere.

Überraschungsgast war Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der auf dem Podium die Rolle des Angreifers gegenüber der FPÖ übernahm. "Es ist nicht wurscht, wer Österreichs Bundespräsident ist", verkündete er. Hofer, dem "Smilie vom Herrn Strache", sei bei der ORF-Konfrontation am Donnerstagabend das Lachen hinuntergefallen.

"Ein Kampf um die Demokratie"

Zu sehen bekommen habe man das fremden- und menschenfeindliche, rassistische Gesicht der Freiheitlichen. Der Präsidentschaftswahlkampf sei in Wahrheit ein Kampf um die Demokratie, um Errungenschaften der Aufklärung und der modernen Gesellschaft. Van der Bellen stehe für Menschlichkeit und Miteinander, für das Schlagen von Brücken und für das Füreinander-da-sein, so der Sozialdemokrat Häupl.

Zuvor ergriff Impressario Andre Heller das Wort. Er bezeichnete Hofer nach der jüngsten TV-Konfrontation als "eine Art von Mensch gewordenem Hassposting", das sich schlussendlich nicht mehr hinter der grinsenden Hofer-Maske verstecken habe können. "Ich finde, die Selbstentlarvung ist gerade im richtigen Augenblick gekommen." Heller berief sich auf die schamanische Weisheit, dass man jene Energie zurückbekomme, die man aussende: "In diesem Sinn, Sascha, gratuliere dir, dass du am Dienstag Bundespräsident sein wirst."

Wahlkampfabschluss von Norbert Hofer

FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer hatte bereits zuvor seine Anhänger bei seinem Wahlkampfausklang noch einmal auf Heimatliebe eingeschworen. Der freiheitliche Präsidentschaftskandidat gab sich im Advent aber besinnlich und sparte mit Angriffen auf seinen Gegner Alexander Van der Bellen. Zuvor hatte es Lob von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gegeben.
Mehr als 400 Menschen - darunter rund 150 Journalisten aus dem In- und Ausland - verfolgten Hofers Abschlussrede vor der Wahl am Sonntag. Dem noblen und staatstragenden Ambiente angepasst war auch das Musikprogramm: Das "Männer Doppel Sextett Klagenfurt" anstelle der dröhnenden John Otti Band umrahmte den freiheitlichen Festakt musikalisch. Hofer war in Begleitung seiner Ehefrau gekommen, dazu gesellte sich freiheitliche Prominenz von Strache abwärts.

Bemüht würdevoll?

Bemüht würdevoll hatte der FPÖ-Kandidat auch seine einstündige Abschlussrede angelegt. Nicht leicht sei die Entscheidung gewesen, derartige Verantwortung anzustreben, der fast einjährige Wahlkampf sei zum "Kraftakt" geworden.

"Wir müssen auch wieder stolz sein, Österreicher zu sein", kam Hofer auch gleich zum Punkt. Wer andere Länder und Kulturen respektieren wolle, müsse auch das eigene Land respektieren und nicht verächtlich machen.

Grundwehrdienst als Unterschied

In diese Richtung verlief auch eine der wenigen Spitzen gegen den Grünen Van der Bellen, der sich im Wahlkampf ungewohnt volkstümlich gegeben hatte. "Es macht ja nichts, wenn sich jemand keine Tracht anziehen will. Aber er soll es auch nicht im Wahlkampf tun", meinte Hofer, der noch ein Unterscheidungsmerkmal zum Gegenkandidaten hervorhob, nämlich dessen Grundwehrdienst. Denn: "Ich habe es erlebt wie es ist, wenn man eine Gemeinschaft bildet."
Aber auch sonst wiederholte Hofer bekannte Botschaften aus dem Wahlkampf: Der Rechnungshof gehöre via Schnittstelle zu Parlament und Regierung aufgewertet, das Gesundheitssystem reformiert und die Wirtschaft gefördert.

Quelle: APA

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