Innenpolitik

Wallnöfer-Büste entzweit Schwarz-Grün in Tirol immer mehr

Die für den Landhausplatz vorgesehene Bronze-Statue des früheren Tiroler Langzeit-LH Eduard Wallnöfer (ÖVP) wird immer mehr zur Belastungsprobe für die schwarz-grüne Landesregierung. Die Grünen sprechen sich weiter gegen die Statue aus und bringen die NSDAP-Mitgliedschaft Wallnöfers ins Spiel. Die ÖVP hingegen steht voll hinter der Wallnöfer-Büste und ihrem legendären Partei- und Landeschef.

"Eine überlebensgroße Statue von Eduard Wallnöfer widerspricht diametral dem Geist des schwarzgrünen Koalitionsabkommens", erklärte der grüne Klubchef Gebi Mair der "Tiroler Tageszeitung". Man könne entscheiden, ob "wir rückwärtsgewandt bleiben wollen und die Fakten ignorieren" oder ob Tirol eine offene Gesellschaft sein solle, die einen kritischen Umgang mit ihrer Geschichte pflege. "So haben wir es 2013 auch ins schwarzgrüne Koalitionsabkommen geschrieben: Die Erinnerungskultur soll in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen geschehen, vor allem betreffend die NS-Zeit, ihre Vorgeschichte und ihre Folgen", meinte Mair. Wer auf der "richtigen Seite der Geschichte" stehen wolle, der solle auf diese Statue am Landhausplatz verzichten.

Eine scharfe Replik folgte von Mairs Koalitionspendant, ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf. Man wolle sich von den Grünen "nicht in Sachen hineinregieren lassen, wofür sie keine Zuständigkeit haben". Die Tiroler Gemeinden hätten über die Landesgedächtnisstiftung die 130.000 Euro teure Skulptur finanziert, einzig und allein Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) sei für die Aufstellung verantwortlich. In der schwarz-grünen Landesregierung gebe es klare Spielregeln.

"Natürlich wird es schwierig, wenn man versucht, diese zu ändern und in andere Ressorts hineinzuregieren", richtete Wolf dem Koalitionspartner aus. Die ÖVP stehe klar hinter der Wallnöfer-Büste, betonte der schwarze Klubobmann und fügte hinzu: "Wir müssen uns vielmehr fragen, warum sie erst so spät am Wallnöfer-Platz aufgestellt wird." Keinesfalls agiere die ÖVP rückwärtsgewandt und stehe auf der falschen Seite der Geschichte, Wallnöfer sei ein Teil davon. Er könne die Kritik des Koalitionspartners nicht nachvollziehen, so Wolf.

Wallnöfers Schwiegersohn, Ex-Landeshauptmann und Landtagspräsident Herwig van Staa, erklärte im Gespräch mit der APA, für die Familie sei die ganze Debatte "belastend". Er bekomme viele Rückmeldungen von Bürgern, die meinten, wo solle die Büste denn sonst aufgestellt werden wenn nicht am Landhausplatz, der seit 1994 den Namen "Eduard-Wallnöfer-Platz" trägt. Wallnöfer, der Tirol von 1963 bis 1987 regierte, sei Zeit seines Lebens ein Gegner der Nationalsozialisten gewesen. Aber nunmehr seien eben die "Gutmenschen am Werk", so Van Staa, der gleichzeitig betonte, als Landtagspräsident "strengste Neutralität" zu wahren.

"Ich mische mich nicht ein", fügte er hinzu. Er sei auch "weder Auftraggeber noch Initiator" der vom Künstler Rudi Wach angefertigten Büste gewesen. Van Staa wies aber auf eine einhellige Empfehlung des Kuratoriums der vom Land und den Gemeinden finanziell gespeisten Landesgedächtnisstiftung hin, wonach die Statue vor dem Landhaus aufgestellt werden solle. Die Landesgedächtnisstiftung hatte auch den Ankauf des Kunstwerks beschlossen.

Quelle: APA

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