Innenpolitik

Warum die Schule für Eltern immer teurer wird

Müssen Eltern bald Schul-Laptops kaufen? Nein, sagt das Bildungsministerium. Die Praxis zeigt aber: Auch ohne Computer werden Familien von den Schulen ordentlich zur Kasse gebeten.

Wie teuer ist es für Eltern in Österreich, ihr Kind zur Schule zu schicken? Darauf gibt es eine theoretische und eine praktische Antwort. Die theoretische: Laut geltendem Gesetz ist Schulunterricht in Österreich prinzipiell kostenlos. Die praktische Antwort: Freilich gibt es Ausnahmen, und die gehen ins Geld.

Wie sehr, darüber gibt es unterschiedliche Untersuchungen. Eine stammt von der Arbeiterkammer Niederösterreich. Sie hat aktuell ausgerechnet, dass pro Schulkind 783 Euro anfallen. Pro Jahr und im Durchschnitt, versteht sich. Das bedeutet allein für Österreichs größtes Bundesland eine Gesamtsumme von 140 Mill. Euro. Bundesweit dürfte es weit mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr sein.

Schulbücher, Wanderwoche und Geodreieck

Was ist da so teuer? Rund ein Drittel des Betrags und damit der größte Anteil entfällt laut besagter Erhebung auf "mehrtägige Schulveranstaltungen". Darunter fällt die Landschulwoche genauso wie der Sprachlern-Aufenthalt in London oder Irland. Weitere gut hundert Euro entfallen auf "Selbstbehalte und Beiträge": Vom regelmäßigen Kopiergeld und ähnlichem können wohl die meisten einheimischen Eltern ein Lied singen. Etwa gleich teuer sind Hefte, Stifte, Geodreiecke und andere Materialien. Und: Auch die Nachhilfe kommt teuer, im Durchschnitt sollen es 67 Euro pro Jahr und Schüler sein.

Ohnehin ist es kein Geheimnis, dass Österreichs Schulen mit ihren Budgets kaum noch auskommen, und daher Kosten auf die Eltern bzw. Elternvereine abwälzen. Berichtet wurde von Schulen, wo die Eltern für Spinde der Kinder bezahlten, in einem Fall sogar für neue Klobrillen. Der Vorwurf der Elternorganisationen an die Republik: Sie stehle sich aus einer Verantwortung, die sie gesetzlich habe - nämlich einen kostenlosen Unterricht zu garantieren.

Second-Hand-Bücher für arme Familien

Kein Wunder, dass auch Caritas und andere Sozialorganisationen dem Bildungsministerium Groll entgegenbringen: Gerade für sozial schwache Familien seien die jährlichen Belastungen oft kaum zu schultern. Deshalb bietet die Caritas in ihren Second-Hand-Läden auch halbwegs gut erhaltene Schulutensilien an - zu einem Bruchteil des Neupreises. Rotes Kreuz und Sozialministerium bieten auch heuer wieder ein 70 Euro teures Schulstartpaket mit den wichtigsten Gegenständen an. Zumindest für Familien, die Mindestsicherung bekommen.

Teuer ist die Bildung der eigenen Kinder aber schon längst auch für die Mittelschicht. "In den höheren Schulen wird es richtig teuer. Ich behaupte, dass ein Schuljahr pro Kind da schon einmal über tausend Euro kosten kann", sagt Andreas Ehlers vom Büro des Dachverbands der Elternvereine für Pflichtschulen. Wobei: All die bekannten Kosten seien in den letzten 15, 20 Jahren vielleicht nominell gewachsen. Berücksichtige man aber die Inflation, könne man ehrlicherweise von keiner Steigerung sprechen.

"Wer Propaganda macht, soll auch zahlen"

Ehlers sieht aber sehr wohl die Gefahr einer neuen Kostenwelle - eben etwa durch die steigende Zahl von Laptop-Klassen: "Wir haben hier einen ganz eindeutigen Standpunkt: Das darf nicht zulasten der Eltern gehen." Auch ein Selbstbehalt sei nicht akzeptabel. "Wenn vor allem das Familienministerium Propaganda für computerisierten Unterricht macht, dann soll man sich dort auch selbst überlegen, wie man das finanziert."

In dieser Sache gibt es aber zunächst einmal Entwarnung vom gescholtenen Bildungsministerium: Nein, keine Familie in Österreich werde gezwungen, für ihr Kind einen Schul-Laptop oder ein Tablet anzuschaffen. Genau diese Befürchtung hatte nämlich den Bundeselternverband auf die Barrikaden getrieben.

Hintergrund war, wie berichtet, ein Rundschreiben des Bildungsministeriums, in dem festgehalten wird, dass Laptops und Tablet-PCs von den Eltern zu bezahlen sind. Mit dieser Festlegung ist die Schulgeldfreiheit de facto abgeschafft", sagte der Sprecher des Bundeselternverbands, Gernot Schreyer. "Insbesondere im Hinblick auf sozial schwache Familien und Alleinerziehende erscheint es besonders zynisch, derartig hohe Zusatzausgaben verpflichtend zu machen."

Ministerium spricht von einem Missverständnis

Im Ministerium spricht man jetzt von einem Missverständnis: Das Rundschreiben sehe nämlich keinerlei Verpflichtung vor, dass Eltern Laptops oder Tablet-PCs anschaffen müssen.

Es handle sich nur um eine Aufführung, welche Kosten die Schule übernimmt (etwa Bücher) und welche die Eltern zu tragen haben (etwa Füllfeder, Taschenrechner, Laptop). Die Schule zahle nicht für einen Laptop, es müsse aber auch niemand einen kaufen. Ausnahme ist eine Laptop-Klasse. Dieser Form des Unterrichts und damit dem Kauf eines Computers müssen allerdings davor alle Eltern zustimmen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2018 um 04:31 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/warum-die-schule-fuer-eltern-immer-teurer-wird-1030531

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