Innenpolitik

Wenn der Sprung ins kalte Nass schmerzt

Wer zahlt für Unfälle in Funsportarten? Die Höchstgerichte sind der Meinung, dass die Haftung des Veranstalters nicht "überspannt" werden darf.

Sogenannte Fun- oder Trendsportarten, wie Rafting, Blobbing, Bungeejumping, erfreuen sich rasant wachsender Beliebtheit. Damit nimmt auch die Zahl der Auseinandersetzungen über die Haftung für Schäden bei Ausübung dieser Sportarten zu, wie hier einige Fälle zeigen, die vor dem Obersten Gerichtshof (OGH) landeten.

Dem ersten Fall lag ein Sturz von einer Banane aus Gummi, die von einem Motorboot gezogen wurde, zugrunde. Während der Fahrt mit etwa 30 km/h kenterte die Banane. Ein Teilnehmer schlug mit dem Gesicht auf dem Körper eines anderen auf, wodurch er sich schwer verletzte. Der Betroffene klagte den Veranstalter der Bananenfahrt auf Schmerzensgeld, weil er über die Risiken der Fahrt nicht aufgeklärt worden sei.

Auch im zweiten Fall machte eine Klägerin Schmerzensgeld geltend, dieses Mal gegen den Betreiber einer Blobbing-Anlage. Beim Blobbing schwimmt ein riesiges Luftkissen, auf dem ein Teilnehmer sitzt, im Wasser. Eine zweite Person springt von einem Turm auf das Luftkissen, wodurch der darauf Sitzende ins Wasser katapultiert wird. Beim Sprung vom Turm wurde die Klägerin erheblich verletzt.

Wie haben die Höchstrichter in beiden Fällen entschieden? Grundsätzlich gilt: Da "Bananenfahrten" nicht als Sportausübung, aber als "Freizeitaktivität mit gefahrengeneigter körperlicher Tätigkeit" einzustufen sind, gelten die Haftungsgrundsätze für Risikosportarten. Demnach hat der Veranstalter, insbesondere wenn er das notwendige Gerät bereitstellt, auf alle typischen und erkennbaren Gefahren hinzuweisen, sodass ein daran Interessierter von einer Teilnahme allenfalls noch Abstand nehmen könnte.

Für den OGH war im konkreten Fall klar: Bei einer Bananenfahrt sind die Gefahren eines Umkippens der Banane für jeden erkennbar. Jeder Teilnehmer weiß auch, dass er sich durch den Aufprall verletzen kann, und entscheidet selbst, wel-che Ausrüstung oder Schutzmaßnahmen er ergreift. Eine überhöhte Geschwindigkeit oder abrupte Kurvenfahrt als Auslöser des Kenterns konnten im konkreten Fall nicht festgestellt werden.

In ähnlicher Weise argumentierten die Höchstrichter beim Blobbing-Unfall. Hier waren auf der Anlage Hinweisschilder über die möglichen Verletzungsgefahren und zur richtigen Körperhaltung beim Sprung angebracht, die zudem auch auf Piktogrammen anschaulich dargestellt waren. Die verletzte Klägerin hatte ihr Begehren darauf gestützt, die Aufklärung wäre nicht mittels Formular erfolgt.

Sind einem Teilnehmer das Wesen der Aktivität/Sportart und die Gefährdung einigermaßen vertraut bzw. dargelegt, trifft den Veranstalter keine besondere Aufklärungspflicht. Die Schutz- und Aufklärungspflichten eines Veranstalters dürfen nach der geltenden Rechtsprechung nicht überspannt werden, weil sportliche Aktivitäten grundsätzlich gefördert und nicht unmöglich gemacht werden sollen.

In beiden Fällen hat der OGH daher eine Haftung des Veranstalters abgelehnt, weil dessen Sorgfaltspflichten nicht überspannt werden sollten.

Peter-Leo Kirste ist Rechtsanwalt in Salzburg.

Quelle: SN

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