Innenpolitik

Wieder nix, kein Hofer für die Hofburg

Norbert Hofer hat auch die zweite, vom Verfassungsgericht gewährte Chance nicht genützt. Statt Dienstwohnung in der Hofburg heißt es weiter Privathaus in Pinkafeld. Der Dritte Nationalratspräsident konnte trotz eher günstiger Themenlage das höchste Amt im Staat nicht erklimmen und bleibt somit dem Parlament erhalten.

Eigentlich wollte Hofer den Weg Richtung Hofburg gar nicht antreten und musste dazu mühsam von seiner Freiheitlichen Partei überredet werden. Jetzt, wo er sich fast ein Jahr mit Alexander Van der Bellen um das Präsidentenamt gematcht hat, ist die Wiederholung der Niederlage vom 22. Mai aber wohl eine bittere Sache - umso mehr als der lange Wahlkampf für den seit einem Paragleit-Unfall stark gehbehinderten Freiheitlichen sicher körperlich keine einfache Sache war.

Warum es für Hofer nicht geklappt hat, wird wohl nie ganz zu klären sein. Er selbst hat jedenfalls alles dafür unternommen, den Österreichern ans Herz zu wachsen. Hofer versuchte sich ein Jahr lang durchs Land zu lächeln. Sogar seine Familie wurde bemüht, das Kinderzimmer der Tochter einem TV-Sender präsentiert. Kater und Jung-Hund der Hofers wurden zu Internet-Stars. "Bieder statt zwider" schien das inoffizielle Motto seiner Kampagne zu sein.

Dass er nicht nur der nette Nachbar von nebenan ist, schimmerte freilich immer wieder durch. Seine Aussage "Sie werden sich noch wundern, was alles gehen wird" hing ihm den ganzen Wahlkampf nach. Auch fiel die freundliche Maske doch das ein oder andere Mal, wenn Interviews in eine aus seiner Sicht falsche Richtung gingen oder er sich mit Kontrahent Van der Bellen in TV-Duellen verhakte.

So gut es für den Freiheitlichen mit seiner Anti-Establishment-Linie im Inland lief, hatte Hofer mit vermeintlich fehlender internationaler Reputation zu kämpfen. Dieses Manko suchte er mit diversen Auslandsreisen zu beseitigen. Letztlich dürften die Österreicher seine Besuche bei den Präsidenten Tschechiens und Serbiens dann aber doch weniger beeindruckt haben als von den Organisatoren erhofft.

Ein weiteres Handicap für Hofer blieb, dass die Präsidenten-Wahl zum klassischen Lager-Wahlkampf wurde. Die Van der Bellen-Wähler waren nicht unbedingt dessen Fans. Die Motivation war vielfach, einen blauen Präsidenten zu verhindern und die scheint größer gewesen zu sein als die Begeisterung der FP-nahen Wähler für ein Staatsoberhaupt Hofer.

Dass dieser zum Schreckensbild der Wähler aus dem mitte-links-Sektor wurde, ist mit Hofers neuer Position verbunden. Denn der 45-Jährige Familienvater - in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern - galt eigentlich seit Jahren als jener Freiheitliche, mit dem sich auch Vertreter anderer Parteien ganz gerne zeigten. Seit der vergangenen Nationalratswahl ist er Dritter Präsident, übt das Amt fehlerlos und verbindlich aus. Seine Umgangsformen sind tadellos, aus der Rolle fällt er demnach nie.

Höflich trägt Hofer auch seine politischen Positionen vor, die gar nicht so ohne sind. Er, der schon in seinen frühen 20ern zum Eisenstädter FPÖ-Obmann und burgenländischen Landesparteisekretär aufstieg, ist ein strammer Freiheitlicher. Hofer gehört zum engsten Führungszirkel von Parteichef Heinz-Christian Strache, hat das aktuelle Parteiprogramm geschrieben, umgibt sich mit schlagenden Burschenschaftern, ist selbst Mitglied der umstrittenen Marko-Germania Pinkafeld, vertritt in der Flüchtlingspolitik einen restriktiven Kurs und ist deklarierter EU-Kritiker.

Dem kann sich Hofer jetzt wieder im Parlament widmen. Dass er aufgrund seines guten Wählerzuspruchs sogar zur Konkurrenz für Parteichef Strache aufsteigen könnte, ist mehr als unwahrscheinlich, umso mehr als Hofer absolut loyal ist. Ins Spiel für höhere Weihen könnte er freilich dennoch kommen. Sollte die FPÖ nach der kommenden Wahl in die Regierung eilen, wird zumindest an einem Minister Hofer kaum ein Weg vorbeiführen. Alternativ könnte noch der Posten des Nationalratspräsidenten herausschauen, sollten die Freiheitlichen stärkste Partei werden. Dann wäre Hofer wenigstens der zweithöchste Mann im Staat.

Zur Person:

Norbert Hofer, geboren am 2. März 1971, in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern, gelernter Flugzeugtechniker, 1995 Stadtparteiobmann von Eisenstadt, 1996 Landesparteisekretär im Burgenland, 1997 Gemeinderat in Eisenstadt, 2005 stv. Bundesparteiobmann, seit 2006 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher, seit Oktober 2013 Dritter Nationalratspräsident.

Quelle: APA

Aufgerufen am 18.11.2018 um 06:53 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/wieder-nix-kein-hofer-fuer-die-hofburg-826894

Schlagzeilen