Innenpolitik

Wiens Hebammen fordern mehr Kassenverträge

Wenn eine Frau vor dem vierten Tag nach der Geburt aus dem Spital entlassen wird, hat sie Anspruch auf eine von der Gebietskrankenkasse bezahlte Hebammenbetreuung - theoretisch. In Wien kommt es hier angesichts eines "gravierender Mangels" an Kassenstellen aber zu Engpässen, wie Vertreterinnen der Berufsgruppe am Mittwoch in einer Pressekonferenz berichteten. Sie fordern eine Aufstockung.

Wiens Hebammen fordern mehr Kassenverträge SN/APA (dpa)/Arne Dedert
Beim Neustart ins Leben braucht man oft eine Hebamme.

In der Bundeshauptstadt versehen derzeit exakt 17 Kassenhebammen Dienst, wie Marianne Mayer, die Leiterin der Landesgeschäftsstelle des Österreichischen Hebammengremiums, erläuterte. In den anderen acht Bundesländern seien es insgesamt 203. Damit komme österreichweit auf 317 Geburten ein Vertrag. In Wien seien es 1.172. "Wir benötigen mehr Hebammen. Dieses Thema wird von Tag zu Tag drängender", konstatierte Mayer.

Nötig sei, zumindest um elf Verträge aufzustocken. Um den bundesweiten Schnitt zu realisieren, bräuchte es insgesamt 62 Posten, wurde heute vorgerechnet.

Verstärkt werde der Bedarf dadurch, dass immer mehr Mütter rasch wieder das Krankenhaus verlassen. Was prinzipiell sinnvoll sei: "Gesunde Wöchnerinnen und Neugeborene sollen möglichst früh nach Hause." Der Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Peter Husslein, verhehlte nicht, dass dies auch budgetäre Gründe habe. Man werde ersucht, die Betten zu reduzieren: "Die Leute werden darum gedrängt, früher nach Hause zu gehen."

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz verwies auf das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Hebammen. Der Kontakt biete auch gute Lernchancen für junge Mütter und Väter. "Die Gebietskrankenkasse verfolgt keine sehr zukunftsorientierte Position", stellte sie fest. Denn bei schlechter Wochenbettbetreuung würden die Chancen steigen, dass Mütter erneut wieder im Spital aufgenommen werden müssten - etwa mit einer Brustentzündung.

In der Wiener Gebietskrankenkasse will man diesen Vorwurf nicht gelten lassen. Im Gegenteil: Man sei ebenfalls an einer Aufstockung interessiert, betonte Andrea Fleischmann von der Abteilung Vertragspartnerverrechnung und Verhandlung im Gespräch mit der APA. Es handle sich jedoch um einen mit dem Hauptverband abgeschlossenen Gesamtvertrag. Hier gebe es derzeit Gespräche. Diese würden - auch angesichts der verschiedenen Interessenslagen in den einzelnen Bundesländern - aber derzeit stocken.

Quelle: APA

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