Wo ist die gute, alte Blanko-Verzichtserklärung?

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Standpunkt Alexander Purger

Karierte Taschentücher, handgeschnitzte Holzschlapfen - die Angebote von Kaufhäusern mit dem Motto "Es gibt sie noch, die guten Dinge" erfreuen sich großer Beliebtheit. Politische Produkte führen diese Kaufhäuser nicht, und das ist Pech. Nämlich Pech für Peter Pilz.

Nachdem der Ex-Grüne zur Auffassung gelangt ist, zehn Wochen Urlaub seien genug Buße für die gegen ihn erhobenen Sex-Vorwürfe, möchte er nun in den Nationalrat zurück. Aber keiner der Mandatare der Liste Pilz will dem Listengründer sein Mandat abgeben. Die listenreiche Begründung: Man sei ja dem Wähler verpflichtet.

Das ist ein lustiges Argument, denn geschätzt 95 Prozent der Liste-Pilz-Wähler wählten Pilz und nicht die Abgeordneten Wie-heißen-sie-doch-gleich. Aber formal haben sie recht. Da kann sich Pilz nach seinem Mandatsverzicht jetzt auf den Kopf stellen. Warum, so wird er sich Haare raufend fragen, gibt es nicht mehr die guten, alten Blanko-Mandatsverzichtserklärungen, wie sie die Parteien früher ihre Abgeordneten unterschreiben ließen, um sie jederzeit loswerden zu können? Ach, es gibt sie nicht mehr, die guten Dinge …

Aufgerufen am 18.11.2018 um 08:58 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/wo-ist-die-gute-alte-blanko-verzichtserklaerung-23023363

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