Könnte die US-Wahl gehackt werden?

Was passiert, wenn am 8. November das Wahlsystem der USA durch eine Cyberattacke zusammenbricht - mit dieser Frage haben sich Experten an der Eliteuni Harvard beschäftigt.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Könnte die US-Wahl gehackt werden? SN/APA (Archiv/Hochmuth)/GEORG HOCH
Cyberkriminelle stehen im Fokus.

Was verband Boston und Sotschi am Donnerstag? Ein heikles Thema: Die Hackerangriffe durch Russland auf die USA.

Am Schwarzen Meer wurde der russische Präsident, Wladimir Putin, nicht müde, Vorwürfe der Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf und einen staatlichen Hackerangriff auf US-Institutionen zu dementieren. "Glaubt jemand ernsthaft, dass Russland die Entscheidung der US-Bevölkerung beeinflussen kann? Sind die USA etwa eine Art Bananenrepublik? Die USA sind eine Großmacht", sagte der Kremlchef bei einer Veranstaltung des Waldai-Diskussionsklubs.

An der Ostküste der USA hatten sich unterdessen führende Cyberexperten an der Eliteuniversität Harvard versammelt, um eine Frage zu diskutieren: Kann die amerikanische Wahl gehackt werden?
Die wenig beruhigende Antwort von Dmitri Alperovitch, jener Sicherheitsexperte, der auch die Cyberattacken auf das Demokratische Nationale Komitee (DNC) untersucht hat - hinter denen Russland vermutet wird: "Es wäre mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber ja, es wäre möglich."

Die Motive hinter einem solchen Angriff sieht der Mitbegründer von "CrowdStrike Inc." vor allem darin, den USA einen Imageschaden ungeahnten Ausmaßes zuzufügen. "Die Botschaft an die Welt, an die Bevölkerung wäre fatal, denn sie würde lauten: Ihr könnt den Wahlen nicht vertrauen, ihr könnt der Demokratie dieses Landes nicht vertrauen. Hier geht es nicht nur um eine Cybercrimeattacke, es geht um Psychologie".


Die Regierung braucht einen Plan B

Ähnlich sieht dies Pamela Smith, Präsidentin von "Verified Voting", eine Organisation, die sich in den USA, salopp formuliert, für den korrekten Ablauf der Wahl einsetzt. "Ich schlafe momentan eher unruhig. Wir haben, je nach Bundesstaat, unterschiedliche Wahlrichtlinien in den USA und diese machen das System angreifbar. Ob dies nun die Registrierung der Wähler ist, oder Abstimmungsergebnisse, die einfach online retourniert werden können." Pause. "Aber was wir bei diesem Wahlkampf beobachtet haben, ist, dass erstmals viele Staaten eine Analyse für den Angriff einer Cyberattacke durchführen haben lassen. Das ist ein gutes, ein wichtiges Zeichen."

Für den Fall, dass es wirklich zu einer Hacker-Attacke, von wem auch immer, auf die Wahlen am 8. November kommt, rät Alperovitch: "Wenn etwas passiert, dann muss die Regierung eine Strategie, einen Plan B haben, der in Kraft tritt. Es muss klar geregelt sein, wer die Öffentlichkeit informiert. Das muss vor allem schnell passieren. Denn der Faktor Zeit zählt, damit die Öffentlichkeit nicht unnötig verunsichert wird."

Doch es wäre ein Super-Gau, wenn in elf Tagen die Präsidentschaftswahl wirklich einer Hackerattacke zum Opfer fallen würde. Smith: "Vergessen wir nicht, die Resultate in der Wahlnacht sind nicht final. Diese werden noch gründlich überprüft. Also atmen Sie durch. Aber tun Sie vor allem eines: gehen Sie wählen."

Der Countdown läuft: noch elf Tage bis zur Wahl.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 01:00 auf https://www.sn.at/politik/koennte-die-us-wahl-gehackt-werden-935725

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