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"Made by Austrians" in China

Der chinesische Markt ist für österreichische Wirtschaftstreibende noch lang nicht ausgereizt.

"Made by Austrians" in China SN/photonews.at/Georges Schneider
Reinhold Mitterlehner und Kai Engel in der Produktion der Firma Engel in China.

Nicht nur österreichische Wirtschaftstreibende sind es, die China entdecken, sondern auch heimische Studenten. Diese entdecken beispielsweise die Tongji-Universität in Schanghai. "Unterrichtet wird in kleineren Räumen, mit 30 bis 50 Studenten. Es wird Wert auf Mitarbeit und eigene Meinung gelegt", schildert ein junger Wiener, der ein Semester hier Wirtschaft studiert hat. Die Universität bemühe sich nach Kräften, kulturelle Schranken nicht allzu hoch werden zu lassen: "Es gibt ein Buddy-Programm, wo man als ausländischer Student einen oder mehrere chinesische Buddies bekommen hat, die uns bei der Orientierung geholfen haben", schildert unser Gewährsmann, der vor allem das internationale Umfeld und die Kontaktmöglichkeiten der chinesischen Bildungsstätte schätzen gelernt hat.

Die Meriten der fernöstlichen Uni sind auch in der österreichischen Regierung bekannt. Beim Besuch von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner und österreichischen Uni-Rektoren in Schanghai in dieser Woche wurde eine Reihe von Kooperationsabkommen mit der Tongji-Universität, die vor allem auf Technik und Architektur spezialisiert ist, abgeschlossen. Was die Zusammenarbeit mit der aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmacht konkret bringen kann, wird deutlich beim Besuch von österreichischen Firmen, die den chinesischen Markt für sich entdeckt haben. Der von Hannes Androsch kontrollierte Leiterplattenproduzent AT&S, der in Schanghai ein riesiges Werk betreibt, zählt in seinem Feld zu den Global Playern. 150 Millionen Leiterplatten werden pro Jahr in den sechs rund um die Welt verstreuten Fabriken produziert, der Großteil davon für Smartphones. "In jedem zehnten Smartphone sind Komponenten aus unserem Werk in Schanghai", verkündet der Niederlassungsleiter stolz. Eigentümer Androsch fügt hinzu: "Man kann nur dort tanzen, wo die Musik ist." Soll heißen: Mit den Millioneninvestitionen in Schanghai und neuerdings auch in der aufstrebenden Metropole Chongqing ziehe er keine Arbeitsplätze von Österreich ab. Vielmehr schaffe er solche im aufstrebenden asiatischen Markt neu.

Oder die Firma Engel, ein Familienbetrieb aus Oberösterreich, spezialisiert auf Spritzgussmaschinen. In China gibt es bereits zwei Produktionsstandorte, allein 300 Mitarbeiter halten in Schanghai die Geschäfte am Laufen. Der Umsatz beträgt eine knappe Milliarde.

Oder die Firma Blum, ebenfalls ein Familienbetrieb, der seine Wurzeln in Vorarlberg hat. Juniorchef Philipp Blum versichert: Man bekenne sich ganz klar zum Vorarlberger Standort, wo seine Firma sieben Werke betreibe. Das hindert das Unternehmen nicht daran, auch Standorte in den USA, in Brasilien und etlichen anderen Ländern zu unterhalten. Davon einige Vertriebsniederlassungen in China, die die im "Ländle" gefertigten Scharnier-, Klappen- und Auszugssysteme vermarkten. Unspektakuläre Produkte also, die freilich in jedem Küchenkästchen und in jeder Schublade zu finden sind. Im Gegensatz zu unzähligen Produkten, die "made in China" den Siegeszug um die Welt antreten, gehen Blum-Produkte den umgekehrten Weg: Sie sind ausdrücklich "made in Austria", was in China, so berichtet Juniorchef Philipp Blum, ein Qualitätsmerkmal sei. Insgesamt beackert die Firma mit 27 Tochtergesellschaften 120 Märkte und setzt mit 6200 Mitarbeitern, davon 279 Lehrlingen, 1,4 Milliarden Euro um.

Der chinesische Markt ist noch lang nicht ausgereizt. Zum Kongress "Austria Connect Greater China 2014", den die Wirtschaftskammer Österreich derzeit in Schanghai abhält, haben sich weit mehr als 400 Teilnehmer angemeldet.

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