Mehr Schulautonomie ist richtig, aber nur der Anfang

Wo weiß man besser, was Schüler brauchen, als an den Schulen? Bis mehr Freiraum im Klassenzimmer ankommt, ist es noch weit.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Maria Zimmermann

Es ist ein Wurf, wenn auch kein großer. Und dennoch müssen für ein bisschen mehr Autonomie mehr als 400 Gesetze auf Bundes- und Länderebene geändert werden. Das ist enorm - und es wirft einmal mehr ein Schlaglicht darauf, warum sich in Österreichs Schulpolitik seit so vielen Jahren so wenig bewegt. Zu verworren sind die Zuständigkeiten, zu groß die Machtinteressen.

Bis das Mehr an Autonomie im Klassenzimmer ankommen kann, ist es zudem noch ein weiter Weg. Die Ansätze, die auf dem Tisch liegen, sind gut, die Details müssen aber erst ausverhandelt und - das ist das Wichtigste - mit Leben erfüllt werden. Das wird viele Jahre dauern.

Ein guter Ansatz ist, dass künftig Direktoren nach einheitlichen und transparenten Kriterien ausgewählt werden sollen. Dass sie mehr Wissen und Ausbildung als bisher mitbringen müssen, dass sie klar darlegen müssen, wohin die Reise an ihrer Schule geht. Dass sie sich künftig bei neuen Lehrern jene aussuchen können, die am besten zu ihrem Konzept passen.

Richtig ist auch der Ansatz, dass die Klassenschülerzahlen flexibel gehandhabt werden können - sofern hier nicht versteckt gespart wird. Warum nicht einmal eine größere Turngruppe, dafür eine kleinere in Mathematik? Sinnvoll kann auch sein, kleine Schulen zu sogenannten Clustern zusammenzuschließen, um Synergien zu nutzen - finanziell und personell. So könnten kleinere Schulen, die für Regionen von großer Bedeutung sind, erhalten bleiben.

Dennoch: Einiges von dem, was angekündigt wurde, ist längst möglich. Und bei vielem steckt der Teufel im Detail: Was tun mit jener Schule, für die sich kein Junglehrer bewirbt, weil sehr entlegen oder im Ruf einer Problemschule? Schickt die Behörde dann jene Lehrer dorthin, die kein Direktor wollte? Oder: Sollte die Direktorin von zusammengeschlossenen Schulen nicht mehr verdienen, da sie doch mehr Verantwortung trägt? Schließlich soll die Reform ja "kostenneutral" sein. Wie das gehen soll, ist offen.

Bei den großen Brocken der Schulreform, die vor einem Jahr vollmundig verkündet worden war, wird in der Zwischenzeit munter weitergestritten. Es geht - Überraschung - um Macht und Geld. Stichwort Schulverwaltung, Stichwort Ganztagsschule. Dabei wissen alle, dass der Hut brennt: Jeder fünfte 15-Jährige kann nicht sinnerfassend lesen. Das ist katastrophal. Nur drei Prozent aller Schüler erbringen ausgezeichnete Leistungen. Das reicht nicht. Die Lizenz zu mehr Autonomie allein wird daran wenig ändern.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 06:53 auf https://www.sn.at/politik/mehr-schulautonomie-ist-richtig-aber-nur-der-anfang-961588

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