Meinungsführer in der Trump-Falle

Politisch Korrekte, die einander versichern, dass sie Van der Bellen wählen, werden einen Wahlerfolg Hofers nicht verhindern.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Andreas Koller

Wie sich die Bilder und die Wahlkämpfe gleichen. In den USA hatten sich Künstler und Intellektuelle, führende Publizisten und emeritierte Staatsmänner, aufgeschlossene Konservative und Liberale, kurz: die Angehörigen des geistigen und kulturellen Amerika öffentlichkeitswirksam zusammengeschlossen, um einen Wahlsieg Donald Trumps zu verhindern. Mit dem bekannten Resultat.

Ähnliches ist derzeit in Österreich zu beobachten. Von Othmar Karas bis Brigitte Ederer, von Christian Konrad über Hans Peter Haselsteiner bis Franz Fischler, von Gerhard Zeiler über die Wiener SPÖ bis tief in die Künstlerszene reicht der Bogen jener, die sich öffentlichkeitswirksam zusammentun, um einen Wahlsieg Norbert Hofers zu verhindern. Man wird sehen, mit welchem Erfolg.

Bei allen Genannten handelt es sich um höchst verdienstvolle Persönlichkeiten, denen jeder Respekt gebührt. Die Frage ist nur, welchen Wert ihre Kampagne hat. Sie werden nur jene von Alexander Van der Bellen überzeugen können, die bereits vorher von Van der Bellen überzeugt waren. Ein Norbert-Hofer-Wähler hingegen wird nicht von seiner Wahlpräferenz abgebracht werden, nur weil ihm Angelika Kirchschlager oder Josef Hader das nahelegen.

Wer nach einem politischen Lehrstück sucht, der schlage nach beim Stichwort "Österreich", Zeit: die Ära des populistischen freiheitlichen Parteichefs Jörg Haider. Damals waren es die österreichischen Meinungsführer, die auf jeden Tabubruch Haiders mit lautstarker Fassungslosigkeit reagierten und in ihrer Empörung nicht mitbekamen, dass ein Gutteil des Wahlvolks den Tabubruch gar nicht als solchen betrachtete. Oder ihn heimlich sogar herbeigesehnt hatte. Entsprechend groß war jedes Mal die Verwunderung, ja das Entsetzen über Haiders Wahlerfolge.

Exakt so geht es derzeit den amerikanischen Meinungsführern, die mit ihrer Empörung über die Tabubrüche Trumps gewissermaßen in die Haider-Falle getappt sind. Die Ironie der Angelegenheit besteht darin, dass jetzt die österreichischen Meinungsführer drauf und dran sind, in die Trump-Falle zu tappen. Und ihre Empörung über Hofer mit der Stimmungslage im ganzen Land verwechseln.

Ein Pfarrer, der seine seelsorgerische Arbeit darauf beschränkt, zu jenen zu predigen, die in die Kirche kommen, wird keine sehr erfolgreiche Missionstätigkeit entfalten. Politisch Korrekte, die einander versichern, dass sie Van der Bellen wählen, werden einen Wahlerfolg Norbert Hofers nicht verhindern.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 12:22 auf https://www.sn.at/politik/meinungsfuehrer-in-der-trump-falle-887323

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