Mutig in die neuen Zeiten

Wie der neue Bundespräsident gleich mit seinem ersten Auftritt bei der Angelobung viele Beobachter überrascht hat.

Autorenbild
Politik | Innen- & Außenpolitk Manfred Perterer

Alexander Van der Bellen hat mit seiner ersten Rede als neuer Bundespräsident gleich mehrere Vorurteile gegen ihn erschüttert.

Da wäre erstens das von parteipolitischen Gegnern gezeichnete Bild vom zerstreuten, abgehobenen Professor, der die einfache Sprache des Volks längst verlernt habe und sich nur noch in unverständlichem Universitätsdeutsch verständigen könne. Bei der Angelobung im Parlament war davon keine Spur. Der Neue aus der Hofburg sprach klar und deutlich die Probleme und Sorgen der Bevölkerung an. Und zwar so deutlich, dass sie jeder verstehen konnte.

Auch das zweite Vorurteil, er, Van der Bellen, sei ein Griesgram und habe keine richtige Freude an seiner neuen Funktion, hat er ins Wanken gebracht. Er hat in der Feierstunde zwar keine übertriebenen Jubelposen eingenommen (die würden auch gar nicht zu ihm passen), er hat aber sehr wohl Dankbarkeit und Freude darüber gezeigt, dass er jetzt der erste Mann im Staat ist. Seine Rede war über weite Strecken dem Anlass entsprechend ernst, der Präsident hat aber auch erkennen lassen, dass ihm Humor nichts Fremdes ist.

Drittens hat der an sich sanftmütige Neue in der Hofburg den politischen Akteuren in Österreich angedeutet, dass er auch anders kann. Mit ihm wird nicht gut Kirschen essen sein, wenn sich an der Politik im Land nichts ändert, wenn kein Mut und kein Optimismus gezeigt wird und wenn weiterhin nur angekündigt, aber nicht umgesetzt wird. Alexander Van der Bellen hat in diesem Zusammenhang von einem Baumeister gesprochen, der immer nur plant, aber nie baut. Mit dem werden die Österreicher nicht zufrieden sein. Die Menschen wollen nicht nur Ideen, sondern endlich auch Ergebnisse sehen. Das war ein klarer Fingerzeig in Richtung Regierung, die seit Wochen viele Pläne wälzt, sich aber bis zuletzt nicht auf die Umsetzung einigen konnte oder wollte.

Das vierte Vorurteil: Der nicht mehr ganz so junge Bundespräsident werde angesichts seiner Erfahrung vergangenheitsbezogen und rückwärtsgewandt agieren und sich in seinem gesamten Habitus dem verstaubten Gemäuer der ihn umzingelnden Hofburg anpassen. Auch das dürfte sich nicht abspielen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen prä sentierte sich am ersten Tag zuversichtlich und zukunftsorientiert. Mutig in die neuen Zeiten, lautet sein Motto. Und: Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse. An dem sollten sich die Regierungsmitglieder ein Beispiel nehmen.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 01:08 auf https://www.sn.at/politik/mutig-in-die-neuen-zeiten-491935

Schlagzeilen