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Frauen im Wahlkampf - eine Nullnummer

Im Wahlkampf reden die Parteien über vieles. Nur nicht über Frauen. Dabei haben sie Stimmenmacht. Warum ist das so?

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Frauensache Karin Zauner

Als Ursula von der Leyen vor ihrer Kür zur Kommissionspräsidentin im EU-Parlament um die nötigen Stimmen warb, überraschte sie mit einer klaren Ansage zur Frauenpolitik. Von der Leyen stellte klar, dass ihre Kommission zur Hälfte aus Frauen zu bestehen habe. Sie überzeugte die EU-Abgeordneten und schaffte in den kommenden Wochen, was sie angekündigt hatte: Die Hälfte der Kommissionsmitglieder sollten Frauen sein, mit 13 Frauen und 14 Männern ist ihr das fast gelungen.

In Österreich werben die Parteien vor der Nationalratswahl noch eine Woche lang um Stimmen, die Hälfte davon könnte von Frauen kommen. Doch das Thema Frauenpolitik war in diesem Wahlkampf bisher nur eine Randnotiz: quasi eine Nullnummer.

Das ist mehrfach bemerkenswert. Frauen, egal in welchen sozialen oder beruflichen Welten sie zu Hause sind, haben eine Menge Herausforderungen zu bewältigen. Da sie sowohl bei den Einkommen wie bei den Pensionen den Männern enorm hinterherhinken, sei hier das Thema Geld herausgegriffen. Denn das fehlt vor allem vielen Frauen in diesem Land. Zwar war Geld in diesem Wahlkampf eine dominante Konstante, allerdings ging es mehr um das von Parteien und Millionären als ums Geld der Frauen. In den Parteiprogrammen ist dazu oft nur Vages zu erfahren. Am konkretesten werden dazu SPÖ (Lohntransparenzgesetz), Grüne (Kopplung öffentlicher Auftragsvergaben an Frauenförderung in Unternehmen) und Neos (vergleichende Analyse von Kollektivverträgen). Die ÖVP hat kein eigenes Kapitel mit frauenpolitischen Inhalten und begründet dies damit, dass Frauenpolitik "nicht nur ein weiteres Thema von vielen, sondern integraler Bestandteil in allen Bereichen des Lebens" sei. Nur leider findet sich in "allen Bereichen" dann wenig für Frauen.

Gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert die FPÖ und warnt gleichzeitig vor Gleichmacherei. Eine Gleichmacherei wollen auch Frauen nicht, sie wollen nur gerechte Entlohnung für ihre Leistungen und die gleichen Chancen und Möglichkeiten in Arbeitswelt und Gesellschaft.

Im Übrigen fällt auf, dass sich Frauenpolitik oft in Familienpolitik erschöpft. Und das ist ein großes Missverständnis.

Wenn Frauen so stimmgewaltig sind, warum werben manche Parteien zum Teil wenig oder kaum um sie und bieten ihnen wenig? Denn hier gäbe es ein großes Potenzial zu heben. Wie Analysen vergangener Wahlen zeigen, tendieren Frauen eher zu Grün und Rot, Männer zu Blau. Möglicherweise übersehen manche Parteien eine gesellschaftliche Entwicklung, die Frauen eine bedeutendere Rolle zukommen lässt, als dies in der Vergangenheit der Fall war - siehe von der Leyen.

Aufgerufen am 18.09.2020 um 04:19 auf https://www.sn.at/politik/nationalratswahl-2019/frauen-im-wahlkampf-eine-nullnummer-76593637

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