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Nationalratswahl 2019

Sebastian Kurz war Hauptwahlmotiv

Kein anderer Parteichef hatte bei seiner Wählerschaft eine derartige Anziehungskraft. Klimaschutz war nicht nur den Grün-Wählern, sondern auch den Neos-Anhängern besonders wichtig.

Sebastian Kurz war Hauptwahlmotiv SN/AP
Sebastian Kurz war Hauptwahlmotiv

Die Wahl ist geschlagen, die Sieger und Verlierer stehen fest. Aber warum haben die Wählerinnen und Wähler so gewählt, wie sie gewählt haben? Sowohl das Meinungsforschungsinstitut Sora als auch Peter Hajek im Auftrag von ATV haben untersucht, welche Motive es für die Stimmabgabe gab.

Ibiza-Affäre

Die Ibiza-Affäre war Auslöser für diese Wahl, beeinflusste die Wähler laut Umfrage aber kaum. 70 Prozent gaben an, die Affäre habe ihre Wahlentscheidung "gar nicht beeinflusst". Lediglich bei acht Prozent war sie zentral für die Wahlentscheidung. Bei der Befragung wurde gefragt: Was denken Sie, ist das, was das Ibiza-Video gezeigt hat, typisch für einzelne Politiker, die FPÖ, mehrere Parteien oder gar alle Parteien? Diese Frage wurde von den SPÖ-Wählern als typisch für die FPÖ gesehen. Die Wähler der FPÖ sehen ein derartiges Verhalten eher typisch für einzelne Politiker oder gleich für alle Parteien.

Parteispenden

Das Thema, das in den letzten Wochen vor der Wahl ebenfalls massiv zur Diskussion stand, waren Parteispenden. Als Strache auf Ibiza mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte über Parteispenden für großzügige Gegenleistungen und den Kauf der "Kronen Zeitung" plauderte. Aber auch, als die ÖVP die Spenden aus 2018 und 2019 veröffentlicht. Insgesamt flossen in diesem Zeitraum 2,76 Millionen Euro an die Türkisen. Größte Einzelspenderin war Milliardärin Heidi Goess-Horten, die die Volkspartei mit insgesamt 931.000 Euro bedachte und mit der Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im "Ibiza-Video" geprahlt hatte.

Die Hauptmotive

Als Hauptmotiv, eine Partei zu wählen, wurden stets die inhaltlichen Standpunkte der Partei genannt. Daher sind vor allem die zweitgenannten Motive interessant. Bei den Wählern der ÖVP folgte Spitzenkandidat Sebastian Kurz als wahlentscheidend. SPÖ-Wähler gaben als zweitwichtigstes Motiv an, immer die SPÖ zu wählen. Und bei den FPÖ-Wählern war das Ermöglichen einer ÖVP-FPÖ-Koalition das zweitwichtigste Motiv.

Motive der ÖVP-Wähler

Etwa 57 Prozent der ÖVP-Wähler sagen laut der Analyse von Sora, dass sich Österreich in den vergangenen beiden Jahren positiv entwickelt habe. Knapp 80 Prozent waren mit der Arbeit der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung sehr zufrieden oder zufrieden.
Die sechs meistdiskutierten Themen bei der ÖVP-Wählerschaft im Wahlkampf waren in dieser Reihenfolge: Gesundheit und Pflege, Wirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz, Zuwanderung, das Thema Sicherheit und die Käuflichkeit der Politik.
Laut dem Meinungsforschungsinstitut Hajek war die Person Sebastian Kurz das wichtigste Wahlmotiv. 31 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die bei der Volkspartei ihr Kreuz gemacht haben, taten dies wegen der Person von Sebastian Kurz.

Motive der SPÖ-Wähler

Nur vier Prozent der SPÖ-Wählerinnen und -Wähler sagten laut Sora, dass sich das Land in den vergangenen beiden Jahren positiv entwickelt hat, und nur sechs Prozent waren mit der Arbeit der ÖVP-FPÖ-Regierung zufrieden.
Die sechs am häufigsten diskutierten Themen im Wahlkampf bei den SPÖ-Anhängern waren die Käuflichkeit der Politik, der Umwelt- und Klimaschutz, Gesundheit und Pflege, die Pensionen, das Wohnen sowie die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen.
Das Hauptmotiv für die SPÖ- Wählerschaft, die Roten zu wählen, war: Sie sind Stammwähler, dahinter folgen knapp soziale Themen, fand das Institut Hajek heraus. Die Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner war nicht unter den Top-Wahlmotiven.

Motive der FPÖ-Wähler

92 Prozent der freiheitlichen Wählerinnen und Wähler waren mit der Arbeit der ÖVP-FPÖ-Regierung zufrieden. 65 Prozent sagten,
dass das Land sich in den vergangenen zwei Jahren positiv entwickelt habe.
Die sechs Topthemen für die freiheitlichen Wählerinnen und Wähler im Wahlkampf waren die Themen Zuwanderung, Sicherheit, Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen, Wohnen, Gesundheit und Pflege sowie Pensionen, heißt es beim Institut Sora.
Das Hauptmotiv der FPÖ-Wählerschaft für ihre Entscheidung in der Wahlkabine laut Hajek: Die FPÖ sei die beste Partei für Österreich. Norbert Hofer war für die freiheitlichen Anhänger ebenfalls ein Grund, ihr Kreuz bei den Blauen zu machen.

Motive der Grün-Wähler

Anhänger der vergangenen Regierung finden sich bei den Grünen kaum. Nur drei Prozent der Wählerinnen und Wähler der Ökopartei finden, dass ÖVP und FPÖ in der Regierung gute Arbeit geleistet haben und dass sich das Land positiv entwickelt hat.

Die sechs am häufigsten diskutierten Themen der Grün-Wählerinnen und -Wähler im Wahlkampf: der Umwelt- und Klimaschutz, die Bildung, die Käuflichkeit der Politik, Wohnen und das Thema Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sowie das Thema Gesundheit und Pflege.

Laut Hajek war der Klima- und Umweltschutz mit Abstand das wichtigste Motiv, um die Grünen zu wählen. Für 62 Prozent der Grün-Wähler war es das mit Abstand wichtigste Motiv. Das "beste Wahlprogramm" war mit 21 Prozent das zweitwichtigste.

Motive der Neos-Wähler

Bei der Neos-Wählerschaft hält sich die Begeisterung für die ehemalige Regierung ebenfalls in Grenzen. Lediglich 17 Prozent sagen, dass sich das Land in den vergangenen Jahren "eher positiv" entwickelt habe. 35 Prozent sagten, dass sich das Land in den vergangenen beiden Jahren "ziemlich positiv" entwickelt habe.
Die sechs am häufigsten diskutierten Themen der Neos-Wählerschaft im Wahlkampf: Umwelt- und Klimaschutz, das Thema Bildung, die Käuflichkeit der Politik, das Thema Wirtschaft, die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sowie das Thema Wohnen.
Hauptwahlmotiv für die Neos-Anhänger war das "beste Parteiprogramm", dahinter folgte die Person von Beate Meinl-Reisinger.

Motive der Nichtwähler

Auch die Beweggründe der Nichtwählerinnen und Nichtwähler hat Hajek abgefragt.
59 Prozent gaben an, dass sie von der Politik verdrossen seien. 16 Prozent sagten, dass sie keine Zeit gehabt hätten, und zehn Prozent sahen keine wählbare Alternative auf dem Stimmzettel.

Aufgerufen am 14.10.2019 um 02:35 auf https://www.sn.at/politik/nationalratswahl-2019/sebastian-kurz-war-hauptwahlmotiv-76947232

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