Natürlich hat das mit Flüchtlingspolitik zu tun

Die Ära von Mutti Merkel ist vorüber. Viel Vertrauen ist verloren. Doch die Kanzlerin bleibt das Gesicht Deutschlands in der Welt.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Martin Stricker

Die Niederlage ist demütigend. Erstmals konnte eine Rechtspartei Deutschlands bürgerliche Union überholen. In Meck-Pomm, wie das kleine, einst ostdeutsche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern genannt wird, musste sich die CDU bei der Landtagswahl vom Sonntag mit Platz drei zufriedengeben und die AfD vorbeiziehen lassen. Nun ist Meck-Pomm von enden wollender Bedeutung. Gerade einmal 1,6 Millionen Menschen wohnen hier. Das Bundesland macht bereits seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 vor allem mit Fremdenfeindlichkeit und seinem Hang nach rechts von sich reden. Vor gar nicht langer Zeit marschierten dort die Glatzköpfe der NPD. Deren Wählerpotenzial ist nun in der etwas gesitteteren AfD aufgegangen. Aber nicht nur: Auch CDU-Stammpublikum und Nichtwähler strömten zur AfD. Man könnte sagen: CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel mobilisiert ihre Gegner.

Denn die AfD kennt nur ein Thema: Flüchtlinge. Zwar ist es wenig erstaunlich, dass es der Regierung Merkel nicht gelungen ist, eine Million Zuwanderer binnen Jahresfrist ausnahmslos in brave Deutsche zu verwandeln. Darüber hinaus gibt es in Meck-Pomm nur sehr wenige Ausländer, welcher Art auch immer.

Aber das spielt keine Rolle. Längst schon wird in Deutschland mit einer Erbitterung diskutiert, die eine nüchterne Betrachtung der Probleme, von welcher Seite auch immer, sehr schwierig macht.

Angela Merkel wird an Meck-Pomm nicht scheitern. Die AfD wird noch öfter gut abschneiden, bevor sie wieder verschwindet. Derzeit ist sie in neun von 16 deutschen Landesparlamenten vertreten. Das zeigt vor allem eines: Im Jahr vor ihrer vierten Kanzlerkandidatur hat Angela Merkel viel von dem Vertrauensvorschuss verloren, der sie bislang vor den Abgründen der Politik bewahrt hat. Dass es Mutti Merkel schon richtig machen wird, ist kein gesellschaftlicher Konsens mehr. Angst geht um, dass sich die vertraute Umgebung wandelt, dass der Wohlstand schwindet zwischen Globalisierungsprofiteuren und Völkerwanderung. Diese Furcht drückt sich in Wahlergebnissen aus. "Natürlich hat das was mit Flüchtlingspolitik zu tun", sagte Merkel am Montag. Und: "Ich halte dennoch die Entscheidungen, so wie sie getroffen wurden, für richtig." Nichts deutet derzeit darauf hin, dass eine Mehrheit der Bevölkerung anderer Meinung ist. Angela Merkel hat mit ihrer Politik des humanen Realismus ein kleines Stück Geschichte geschrieben. Sie ist das freundliche Gesicht Deutschlands. Und das ist gut so.

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