Nur noch ein Wunder bringt Trump ins Weiße Haus

Ein Skandalvideo legt Donald Trumps Charakter unbarmherzig offen. Was die Amerikaner hören, bestätigt ihre schlimmsten Befürchtungen.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Thomas Spang

Aus, das war es. Der Mitschnitt aus dem Jahr 2005 dürfte als kumulativer Höhe- und Wendepunkt der bizarren Wahlschlacht zwischen dem Reality-TV-Star und Hillary Clinton in die Geschichtsbücher eingehen. Der vulgäre Austausch zwischen Trump und dem "Hollywood Access"-Produzenten Billy Bush über eine verheiratete Frau, die der Milliardär nach eigenem Zeugnis in seiner Villa in Palm Beach sexuell belästigte, offenbart eine zutiefst gestörte Persönlichkeit. Dieser Mann gehört nicht ins Oval Office, sondern auf die Couch eines Therapeuten.

So widerlich Trumps unverhohlener Sexismus ist, der Frauen zu Objekten seiner Begierde degradiert, so wenig erklärte es die Brisanz des Videos. Seine Ausfälle gegenüber Frauen sind ausführlich dokumentiert. Viel verheerender ist in diesem Fall die politische Dimension seiner Äußerungen, die ihn als Kandidaten für das wichtigste Amt der Welt endgültig disqualifizieren. Als Star, so prahlte er gegenüber dem kichernden Billy Bush, einem Cousin von George W. Bush, habe er einen Freifahrtschein, Frauen an die Brüste oder zwischen die Beine zu fassen. Er könne mit Frauen machen, was er wolle.

Damit provoziert Trump die Frage, was er wohl mit der sehr viel größeren Macht als Präsident der Supermacht USA im Weißen Haus anstellte?
Trumps halbherzige Entschuldigung zur Geisterstunde und sein trotziges "Weiter so" verstärken den Eindruck, der Kandidat habe den Ernst der Lage nicht verstanden.

Spät, viel zu spät dämmert den Republikanern, dass dieser Kandidat sie nicht nur die Aussicht auf die Rückkehr an die Macht im Weißen Haus kostet. Trump gefährdet darüber hinaus auch die konservative Mehrheit im Senat, vielleicht sogar im Repräsentantenhaus.

Hillary Clinton braucht eigentlich nur noch
die Ruhe zu bewahren. Ihre E-Mail-Affäre und die WikiLeaks-Enthüllungen verblassen im Vergleich zu den Eskapaden Trumps. Je mehr sie dem schrillen Rechtspopulisten die Bühne überlässt, desto mehr wird sich der unbeherrschte Trump um Kopf und Kragen reden.

Seine dritte Ehefrau Melania mag ihm vergeben, dass er während ihrer Schwangerschaft eine andere Frau sexuell belästigte. Die meisten Wählerinnen, und Konservative, die ihre Werte ernst nehmen, werden das am Wahltag nicht vergessen.

Jenseits eines Wunders dürfte seit diesem Samstag das Rennen für Trump gelaufen sein.

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