Österreicher setzen auf Sicherheit statt Risiko

Die Bürger ziehen einen sanften Reformweg dem Marsch ins Ungewisse vor und wählen Alexander Van der Bellen zum Präsidenten.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Manfred Perterer

Aller guten Dinge sind drei für Alexander Van der Bellen. Die Österreicherinnen und Österreicher haben ihn im dritten Anlauf überraschend klar zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Erstmals in der Geschichte der Republik zieht damit ein früherer Oppositionspolitiker in die Hofburg ein.

Dass der 72-jährige Universitätsprofessor schon vor Auszählung der Wahlkarten deutlich vorn liegt, hat mehrere Ursachen. Erstens lieben die Österreicher trotz globaler politischer Umbrüche keine Überraschungen. Bei Alexander Van der Bellen haben die meisten das Gefühl, dass vieles so bleiben könne, wie es war. Norbert Hofers Ankündigung "Ihr werdet euch noch wundern, was alles möglich ist" hat hin gegen vielen Angst vor dem Unbekannten gemacht. Politische Experimente werden nicht besonders geschätzt. Die Wähler ziehen einen sanften Reformweg dem Marsch ins Ungewisse vor.

Zweitens: Van der Bellen ist auf dem internationalen Parkett wohlgelitten, Norbert Hofer löst hingegen Proteststürme aus. Die Österreicher sind noch immer sanktionsgeschädigt. Sie wollen sich einen Spießrutenlauf wie zu Beginn der 2000er-Jahre nicht noch einmal antun. Obwohl für die meisten europäischen Staatskanzleien ohnehin kein Anlass zu Häme bestanden hätte, da sie inzwischen selbst von Populisten umringt sind. Die Österreicher haben der Welt gezeigt, dass sie keine Trumpisierung wollen und
der Siegeszug der Populisten endlich ist.

Drittens wollen die Österreicher vor allem nach dem Brexit weiterhin Mitglied in der EU bleiben. Hofers Dementi, er wolle keinen Öxit, hat nicht glaubwürdig genug gewirkt.

Viertens trauen die Wählerinnen und Wähler dem ganz und gar nicht streitsüchtigen Alexander Van der Bellen die Befriedung des Landes eher zu als dem zuletzt aggressiv wirkenden Norbert Hofer, dessen Parteichef HC Strache sogar die Gefahr eines Bürgerkriegs heraufziehen sieht. Nach einem Jahr Wahl-Schlammschlacht ist auf jeden Fall Versöhnungs arbeit notwendig.

Fünftens schlägt in der Präsidentenfrage nach wie vor Erfahrung Jugend. Die Bürger wollen jemanden in der Hofburg haben, der mit ruhiger Hand weise Entscheidungen trifft und nicht das Land mit un gestümer Gangart umkrempeln möchte.

Norbert Hofer muss sich nicht grämen. Er hat zwar den Kampf um die Hofburg verloren, die Chancen auf die Übernahme der Führung in der FPÖ aber dramatisch erhöht. Wir werden noch von ihm hören.

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