Schulgeld durch die Hintertür darf nicht sein

Die Politik redet von der Chancengleichheit in der Schule und scheitert daran, die Kosten für die Eltern in den Griff zu bekommen.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Alfred Pfeiffenberger

Es ist ein Credo der österreichischen Schulpolitik: die Chancengleichheit. Jedes Kind soll denselben Zugang zu einer guten Bildung haben, unabhängig von der sozialen Situation der Eltern. Die SPÖ setzt auf Ganztags- und Gesamtschule. Die ÖVP ist zurückhaltender, will die Langform des Gymnasiums erhalten und pocht auf die Wahlfreiheit der Eltern. Die Debatte, welches Schulsystem das Beste für die Kinder ist, tobt bereits seit Jahrzehnten.

Aber wie so oft vergessen die großen Schlachtenlenker bei der Diskussion ihrer allumfassenden Pläne gern auf die Leiden der normalen Soldaten und die Bildungspolitiker auf die Probleme der Eltern.
Ein Beispiel dafür: Bei der Zentralmatura muss ab dem Schuljahr 2017/18 ein hochwertiger Taschenrechner oder Computer verwendet werden. Die meisten Schulen wollen den Einsatz von Computern. Also müssen die Eltern rasch einen Laptop oder ein Notebook kaufen und ein paar Hundert Euro auf den Tisch blättern. Der Großteil der Eltern wird das Geld mehr oder weniger zähneknirschend aufbringen. Die paar, die daran verzweifeln? Achselzucken und der Hinweis, dass es ja sicher irgendwelche Beihilfen gibt.
Elternvertreter beklagen schon lange, dass die Zuzahlungen für die Schule ständig zunehmen. Skikurs, Landschulwoche, Sprachreisen, Bastelbeitrag, Klassenkasse, Theaterkarten und vieles mehr. Im Lauf des Jahres kommt ein nettes Sümmchen zusammen. Und das sei auch angemerkt: Es sind meist Veranstaltungen, die für die Mädchen und Buben Abwechslung in den Schulalltag bringen und die zu den Höhepunkten in einem Schuljahr zählen.

Trotzdem sind die Kosten dafür mittlerweile so hoch, dass mancherorts sogar schon von einem "Schulgeld durch die Hintertür" gesprochen wird. Eine finanzielle Hürde, die Familien, die weniger Geld haben, den Schulbesuch ihrer Kinder verleidet.

Für die Politik ist diese Entwicklung ein Armutszeugnis. An vielem kann die Schulkarriere eines Kindes scheitern, an zu wenig Unterstützung durch die Eltern und Lehrer oder an Schulklassen, in denen kaum Deutsch gesprochen wird und in denen der Unterricht mühsam ist.

Geld darf auf keinen Fall der Grund sein, dass Mädchen und Buben nicht die Schule besuchen können, die sie wollen. Größere, für den Unterricht notwendige Ausgaben könnte auch die öffentliche Hand übernehmen. Das entlastet nicht nur das Budget vieler Eltern, sondern wäre ein sofortiger Beitrag zur immer wieder geforderten Chancengleichheit.

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