Trump der Dealmaker wäre gefragt

Im Umgang mit Nordkorea hilft kein zusätzlicher Druck. Wenn Diktator Kim keinen Ausweg sieht, wird er zuschlagen.

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Standpunkt Finn Mayer-Kuckuk

Die Spannungen um Nordkorea sind am Sonntag zu einer handfesten Krise eskaliert. Wenn nur eine Seite sich unbesonnen verhält, droht ein Krieg. Diese Notlage gibt US-Präsident Donald Trump die Chance, seine vorgeblich größte Stärke auszuspielen: sein Verhandlungsgeschick. Sein bestverkauftes Buch heißt "The Art of the Deal". Auf Deutsch ist es unter dem Titel "Die Kunst des Erfolges" erschienen, doch wörtlich genommen geht es um Verhandlungserfolg.

Zu den goldenen Regeln in Verhandlungen gehört laut diesem Buch, sich möglichst viele Optionen offenzuhalten und seinen Gegner zu kennen. "Erfolgreiches Verhandeln macht mir einfach Spaß. Es ist meine Kunstform", schreibt Trump. Genau so ein Taktiker ist in der nordkoreanischen Nuklearkrise gefragt: schlau, mit Verständnis für das Denken seines Geschäftspartners, eindeutig in seinen Forderungen und beweglich auf dem Weg dahin.

Bisher bekamen wir stattdessen aber einen Trump, dessen Lager sich intern widerspricht. Außenminister Rex Tillerson redet von Diplomatie, CIA-Chef Mike Pompeo fordert einen Regimewechsel. Sicherheits berater Herbert McMaster spricht von einem Präventivkrieg, Verteidigungsminister James Mattis stellt die militärische Option wegen ihrer schrecklichen Folgen hintan. Trump selbst twittert mal so, mal so.

Die schlimmste Variante aus der Sicht von Kim Jong Un ist dabei "Regimewechsel". Für den Diktator gibt es keine Zukunft jenseits seiner Stellung als Gott der Nordkoreaner. Eher wird er den Weltuntergang riskieren. So ekelhaft Kim sein mag - in der jetzigen Situation ist erst einmal alles zu tun, um einen Krieg zu verhindern. Dazu gehören auch Zugeständnisse an einen Gewaltherrscher.

Ein Atomkrieg in Ostasien wäre eine unvorstellbare Katastrophe, die auch Europa übel in Mitleidenschaft zöge. Die betreffenden Regionen sind die am dichtesten besiedelten der Welt und erzeugen einen Großteil des weltweiten Wachstums.

Es ist unverständlich, warum China nicht mehr tut, um die Lage zu entschärfen. Präsident Xi Jinping verhält sich seltsam passiv. Es wirkt fast, als habe er den Ernst der Lage nicht verstanden. Nordkorea hat jetzt wirklich Atomwaffen und die Mittel, sie einzusetzen.

Solange mit Peking nicht zu rechnen ist, müssen die USA ihre Rolle als globale Schutzmacht ausfüllen. Es ist eigentlich einfach. Die Option eines Erstschlags gegen Nordkorea muss vom Tisch, dafür müssen Gesandte des Präsidenten zu Gesprächen nach Pjöngjang reisen - und einen guten Deal herausholen.


Aufgerufen am 18.10.2018 um 08:00 auf https://www.sn.at/politik/trump-der-dealmaker-waere-gefragt-17028448

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