"Trump ist ein wenig wie Teflon"

Wie erleben amerikanische Journalisten das Finale der US-Wahl? Ich verfolge die letzten beiden Wochen bis zum 8. November in einem amerikanischen Newsroom hautnah mit.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll

Im Hintergrund läuft CNN, als Christa Case Bryant mit ihren Kollegen die Themen des Tages bespricht. Vielmehr das Thema des Tages: die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Bryant ist Politikredakteurin beim "Christian Science Monitor" in Boston. Jener Tageszeitung, in deren Redaktion ich die verbleibenden Wochen bis zur Wahl verbringen werde. Das Besondere am "Monitor": Die Zeitung zählte zu den ersten größeren Tageszeitung der USA, die sich im Jahr 2009 dazu entschieden haben, ihre tägliche Printausgabe einzustellen und nur noch eine wöchentliche Ausgabe in Magazinform auf Papier herauszugeben. Die Leser erhalten weiterhin alle Infos täglich auf der Webseite des "Monitors" und per E-Mail. Die aktuelle Printausgabe behandelt unter anderem die Clinton Foundation, eine Buchbesprechung über das neue Werk der amerikanischen Autorin Ann Patchett oder Gebete im Congress.

Moment - Gebete? Der Hintergrund: der "Christian Science Monitor" wurde von Mary Baker Eddy, der Stifterin der Christian Science gegründet. Über die Christian-Science-Kirche wird in der Zeitung nicht berichtet, um Konflikte zu vermeiden. Allerdings erscheint auf Wunsch der Gründerin täglich ein Artikel, der sich im weitesten Sinne mit Religion beschäftigt. Das ist die eine Seite.

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Die andere: Der Monitor hat bis heute sieben Pulitzer-Preise erhalten und auch der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt hat die Zeitung immer wieder in seinen Reden zitiert. Sie gilt als unaufgeregt, mit Tiefgang und mit Journalisten, die Wert auf eine eigene Recherche legen.

So auch bei der politischen Berichterstattung über die Wahl. In einer Schwerpunktserie haben Bryant und ihr Team die großen Themen des Wahlkampfs aufgegriffen: Wie Waffen, Rassismus oder das Verschwinden der Mittelschicht. "Das Land ist gespalten. Trump ist dabei nur ein Symptom. Auch wenn er nicht gewinnt, wird die Wahl das Land nachhaltig verändern. Wir werden die vollen Auswirkungen erst nach dem 8. November sehen", sagt Bryant.

Was die Journalistin über den Ausgang der Wahl denkt? "Im Moment deutet alles darauf hin, dass Hillary Clinton das Rennen machen wird." Aber gewählt wird in zwei Wochen und bis dahin kann noch vieles passieren. Weil: "Bei Trump ist es ein wenig wie Teflon - fast alles prallt an ihm ab."

Der Countdown läuft: noch 14 Tage bis zur Wahl.

Aufgerufen am 16.11.2018 um 12:13 auf https://www.sn.at/politik/trump-ist-ein-wenig-wie-teflon-943291

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