Trump macht der Terrormiliz IS ein Geschenk

Planen und Denken sind offenbar keine Stärken des neuen US-Präsidenten. Sein jüngstes Dekret ist Pfusch auf allen Ebenen.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Martin Stricker

Donald Trump will "radikale islamische Terroristen" von den USA fernhalten. Dagegen hat niemand etwas einzuwenden. Dieses Ziel verfolgen alle Länder der Welt. Doch Trump, neuer Präsident der USA, schoss meilenweit daneben.

Überfallsartig erklärte er mittels Erlass, dass Visavergabe und Einreise von Bürgern aus dem Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, dem Jemen und dem Sudan für 90 Tage ausgesetzt werden. Flüchtlinge dürfen 120 Tage nicht mehr einreisen, syrische Flüchtlinge überhaupt nicht mehr. Die Kriterien der jetzt schon extrem strikten Visavergabe sollen weiter verschärft werden. Der Kollateralschaden ist beträchtlich.

Plötzlich saßen Hunderte Menschen mit bislang gültigen Papieren in US-Flughäfen fest. Künstler, Wissenschafter, Firmenangestellte und Sportler durften ihre Flüge in den USA nicht antreten oder müssen sie stornieren. Tausende Amerikaner strömten zu den Airports in ihrem Land und protestierten gegen die als zutiefst unamerikanisch empfundenen Schikanen. Ein Gericht korrigierte den Präsidenten umgehend und untersagte die geplante Abschiebung der Betroffenen.

Niemand in den USA weiß, wie der Erlass zu handhaben und wie er rechtlich umsetzbar ist. Die Behörden wurden überrascht. Chaos rundum also - für alle anderen, nicht für Trump, versteht sich. Es lohnt sich, einen Blick auf die Länder zu werfen, die nicht betroffen sind: Saudi-Arabien etwa, Ölstaat, US-Verbündeter und Keimzelle des sunnitischen Terrors; Pakistan, eine Atommacht; die Arabischen Emirate, in denen Trump ebenso wie in Saudi-Arabien Geschäfte laufen hat; oder Muslime aus Tschetschenien, derzeit weltweit führend bei den islamistischen Mordjüngern, aber aus Wladimir Putins Russland.

Trump, der Trickser - allerdings weder besonders clever, weil derart augenfällig, und schon gar nicht in die Zukunft gedacht.

Bei der Terrormiliz IS dürften Freudentänze angesagt sein. Wer der IS-Erzählung immer noch nicht glaubt, dass Amerika ein Feind des Islam ist, dass Amerika die Ärmsten der Armen verfolgt, deren Länder mithilfe amerikanischer Waffen verwüstet wurden, dass amerikanische Arroganz vor allem Muslime verletzt, dem muss nur noch Trumps Einreisebann vorgelegt werden, die jüngste Rekrutierungshilfe.

Und Trump selbst? Er fand, seine Maßnahmen funktionierten "sehr schön", wie auf den Flughäfen zu beobachten sei. Die Frage stellt sich: Kann dieser Mann unterscheiden zwischen Fantasie und Realität?

Aufgerufen am 16.11.2018 um 11:21 auf https://www.sn.at/politik/trump-macht-der-terrormiliz-is-ein-geschenk-484615

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