Und was wird jetzt aus uns Europäern?

Wir sollten uns daran erinnern, wer wir sind: der reichste Wirtschaftsraum der Erde und die einzige friedliche Großmacht.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Martin Stricker

Die Schockwellen werden noch lang nicht abflauen. Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA wird von den einen als Zeichen einer Götterdämmerung begriffen, die unsere liberalen Demokratien zum Einsturz bringen wird, von anderen als Zeichen der nahenden Erlösung aus dem Griff der alles raubenden Globalisierung.

Der Alltag wird profaner. Schon in den ersten Tagen wurde klar, dass Trump sich mit dem Establishment verbündet. Seine Kandidaten fürs Regieren stammen aus der sattsam bekannten Finanzszene der Wall Street oder sind altgediente republikanische Haudegen aus Washington. Ob Donald Trump - Wahlspruch: Alles ist verhandelbar - tatsächlich umsetzt oder umsetzen kann oder überhaupt will, was er im Wahlkampf so getwittert hat, ist die eine Sache. Beim Twittern jedenfalls, meinte er am Sonntag, wolle er sich künftig zurückhalten.

Dass Europa aber seinen großen Bruder und Aufpasser Amerika vorerst verloren hat, ist die andere. Der Schutzschirm, den die USA seit 1945 über die Nationen des alten Kontinents legen, steht zwar noch. Dass wir aber weiterhin verlässlich unter diesem Schutz streiten, schimpfen und jammern können, als gäbe es kein Morgen, ist alles andere als gewiss. Was also wird jetzt aus uns? Zeit, sich ein wenig zu besinnen. Die Europäische Union ist mit ihren 550 Millionen Einwohnern einer der größten und reichsten Wirtschaftsräume der Welt. Wir sind die einzige friedliche Großmacht auf diesem Planeten. Wir haben einen Raum des Rechts, der Sicherheit und der Freiheit geschaffen, der einzigartig ist. Wir sollten uns klar darüber werden, wer wir sind: ein Staatenbund, der von den Küsten des Atlantik bis in die Ebenen des Ostens reicht, in dem rechte Populisten ebenso Platz haben wie wirtschaftsliberale Freidenker, mit einem großen Reichtum an Erfahrung, Wissen, Kultur und Geschichte.

Aber wir brauchen mehr. Wir müssen schleunigst Außengrenzen sichern, wir brauchen eine einheitliche Steuergesetzgebung und Wirtschaftspolitik, um Verarmung (oder der Angst davor) und der Anhäufung von unendlichem Reichtum in den Händen weniger gegenzusteuern. Wir brauchen vor allem eine gemeinsame Sicherheitspolitik - so rasch wie nur möglich.

Es mag ja geradezu altmodisch klingen in Zeiten wie diesen, aber wir in Europa müssen enger zusammenrücken und nicht auseinander.

Wir sind nämlich ziemlich allein.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 10:57 auf https://www.sn.at/politik/und-was-wird-jetzt-aus-uns-europaeern-888997

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