Verkehrserziehung statt Verkehrsplanung in Salzburg

Die Zeigefinger-Politik ist gescheitert. Der öffentliche Verkehr muss attraktiver werden. Wie wäre es etwa mit einem Gratisangebot?

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Politik | Innen- & Außenpolitk Manfred Perterer

Der begnadete Karikaturist Thomas Wizany zeichnet seit 30 Jahren täglich für die Leserinnen und Leser der "Salzburger Nachrichten". Auf die Frage, welches Motiv aus der Stadt Salzburg er in dieser Zeit am öftesten aufs Korn genommen habe, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen: den Verkehr.

Und tatsächlich, es hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr als genug satirisch verwertbare Versuche gegeben, das Thema in den Griff zu bekommen. Die Ansätze reichten von Unterflurtrassen über die U-Bahn und die Salzach-Schifffahrt bis zur Seilbahn, von der freien Fahrt für alle bis zur totalen Autoblockade. Millionen wurden für Gutachten ausgegeben. Herausgekommen ist nichts. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht attraktiv, die schmalen Straßen überfüllt, die Garagenplätze nicht ausreichend.

In den vergangenen Jahrzehnten waren mit Unterbrechungen immer wieder grüne und blaue Stadtpolitiker für das Thema zuständig. Sie konnten keine Erfolge erzielen, weil sie die falsche Herangehensweise wählten: Verkehrserziehung statt Verkehrsplanung. Dabei wissen wir längst aus Erfahrung: Die Bürger lassen sich nicht gern darüber belehren, was sie zu tun haben und was nicht. Die bisher praktizierte moralinsaure Zeigefinger-Politik ist gescheitert. Und auch die Politik, mit ständig neuen Bauprojekten die unangenehme Stau-Realität zu verdrängen und von Lösungen zu träumen, die sich nie verwirklichen lassen.

Salzburg mit seinen Stadtbergen ist für den Individualverkehr nicht besonders gut geeignet. Doch anstatt das Auto als Verkehrsmittel schlechtzumachen, sollte sich die Politik darauf konzentrieren, den öffentlichen Verkehr attraktiv zu gestalten. In 48 Städten der Welt gibt es bereits fahrscheinlose Öffis, die gratis benutzt werden dürfen. Warum nicht auch in Salzburg? Die Fahrgastzahlen würden explodieren, die Umsätze in der Innenstadt, aber auch in den Randbezirken ebenso. Straßen könnten teilweise zurückgebaut werden, und es wäre dennoch wieder genügend Platz auch für Autos. Betriebe würden sich teure Parkplätze für die Mitarbeiter sparen, Salzburg würde erblühen.

Die Kosten würden durch die Steuern auf höhere Umsätze zum Teil wieder hereingespielt. Weitere Beiträge könnten durch höhere Parkgebühren oder eine Citymaut eingespielt werden.

Zu solchen Maßnahmen gehört Mut. Der hat bisher gefehlt. Da ist es einfacher, die Schuld auf die Autofahrer abzuwälzen.

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