Viele Ängste sind real, aber man kann ihnen begegnen

Islamistischer Terror liegt über dem Miteinander mit schwer geprüften Flüchtlingen wie eine bleierne Last - bis wir sie abschütteln.

Autorenbild
Politik | Innen- & Außenpolitk Gerhard Schwischei

Der Terror von Paris, Brüssel, Nizza und jetzt auch Berlin geht an uns nicht spurlos vorüber. Selbst Menschen, die überzeugt für eine weltoffene, freie und multikulturelle Gesellschaft eintreten, müssen sich fragen: Wie sicher bleibt unser Zusammenleben? Kann der Terror auch Österreich treffen? Welche Gefahr geht von radikalislamistischen Kräften aus?

Es sind Ängste da, die man nicht wegleugnen kann, Ängste, die uns im Zusammenleben mit muslimischen Mitbürgern und Flüchtlingen blockieren. Ängste, die innere Abwehrkräfte erzeugen, die dazu führen, dass man sich am liebsten abschotten möchte in seine kleine, auch nicht immer heile, aber doch überschaubare Welt. Besser nicht anstreifen, besser einen Bogen um sie herum machen, um sie, die oft alles verloren haben, die traumatisiert sind von Bomben, Blut und Zerstörung.

Terror hat immer das Ziel, eine Gesellschaft zu spalten und sie zu destabilisieren. Unsere westlichen Demokratien waren zuletzt aber immer stark genug, um mörderischer Gewalt die Stirn zu bieten. So war es beim linksextremen Terror der RAF in Deutschland, beim katholischen Terror der IRA in Nordirland, beim Terror der baskischen ETA in Spanien oder der kommunistischen Roten Brigaden in Italien: Letztlich hat die freie, demokratische Gesellschaft über Gewalt und Hass triumphiert. Deshalb wird es sich auch jetzt lohnen, wieder alle Kräfte zu mobilisieren, um die Arbeit der Polizei und Geheimdienste zu verbessern, um Terroristen aufzuspüren und der Radikalisierung der Gesellschaft den Nährboden zu entziehen (mehr dazu in der Kolumne "Kollers Klartext").

Abgrenzung und Ausgrenzung, weil man Ängste hat vor dem Unbekannten, helfen dabei nicht weiter. Denn auch die, die hierher gekommen sind, weil sie zu Recht auf Hilfe hoffen, denen wir Asyl gewähren und die dennoch nicht wissen, was wirklich auf sie zukommt, haben Ängste, große Ängste sogar.

Und auch diese Ängste sind real: Wer sich, sozusagen um die Perspektive zu wechseln, mit einer muslimischen Flüchtlingsfamilie auf die Straße wagt, merkt schnell, wie man plötzlich von oben bis unten misstrauisch beäugt wird, wie man angepöbelt wird, weil die junge Tochter und die Mutter ein Kopftuch tragen, oder wie bei der Wohnungssuche sehr schnell Rollbalken herunterfallen.

Aber es gibt sie Gott sei Dank, die Menschen, da wie dort, die trotz ihrer Ängste den Schritt aufeinander zu wagen. Es dürfen nicht neue Ghettos entstehen, die ein Gegeneinander statt Miteinander erzeugen. So entziehen wir dem Terror eine Grundlage und tun nachhaltig etwas gegen unsere Ängste.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 05:43 auf https://www.sn.at/politik/viele-aengste-sind-real-aber-man-kann-ihnen-begegnen-578734

Schlagzeilen