Warum die Pensionsanpassung "mickrig" ist

Die Pensionisten zahlen den Preis für Halbwahrheiten. Und für die verweigerten oder verhinderten Reformen von gestern.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Inge Baldinger

Acht Euro monatlich. Das bedeutet die Pensionsanpassung 2017 bei einer durchschnittlichen 1000-Euro-Pension. Was kann man sich dafür kaufen? Gar nichts, wenn die Mieten, Betriebskosten und Gebühren weiter so steigen wie in den vergangenen Jahren. Von den Preisen für manche Dinge des täglichen Bedarfs ganz zu schweigen. Verständlich, dass die Seniorenvertreter so vehement auf eine Draufgabe drängten. 100 Euro werden es sein - ob wirklich für alle, ist noch offen. Was geht sich für die 100 Euro aus, die noch rasch zu Jahresende ausbezahlt werden sollen? Sie dürften gerade einmal für die Enkerlbesuche zu Neujahr reichen. Und das war's dann.

Es ist überhaupt keine Frage: Für die Einzelnen ist die Pensionsanpassung, die sich - und das ist gesetzlich so vorgesehen - aus der Inflationsrate ergibt, höchst unbefriedigend, von vielen wird sie geradezu als Provokation empfunden. Und doch schlägt sie inklusive Sonderzahlung mit einer halben Milliarde Euro zusätzlich zu Buche. Ohne Beamte und trotzdem auf Pump. Einfach deshalb, weil es so viele Pensionisten gibt - und ihre Zahl wird allein schon wegen der Demografie und der nach wie vor zulegenden Lebenserwartung steigen und steigen.

Am Beispiel der "mickrigen Pensionsanpassung" (© Karl Blecha) zeigt sich wieder einmal, wie sehr sich Halbwahrheiten rächen. Und beim Reizthema Pensionen haben sie Hochkonjunktur. Wer darauf hinweist, dass das Pensionsalter nach wie vor unter jenem der 70er-Jahre liegt, dass die behauptete Sicherheit des Pensionssystems relativ ist und dass mit dem Pensionsantritt nicht alles automatisch gut wird, gilt als Panikmacher. Die Mühe, die Zusammenhänge und die Fakten zu erklären, macht sich die Politik vorsichtshalber schon gar nicht mehr.

Es ist aber ein Faktum, dass sich die Pension aus der Höhe und der Dauer der geleisteten Beiträge errechnet - deshalb sind viele, viele Pensionen so niedrig, dass sie kaum zum Leben reichen. ASVGler, die 2015 ihre Pension antraten, kamen im Schnitt auf 1015 Euro monatlich. Ein weiteres Faktum ist, dass mit dem Antritt der Pension auch schon ihre schleichende Entwertung beginnt. Die erste Erhöhung gibt es erst im Jahr zwei des Pensionsbezugs. Und dann berücksichtigt sie nur die generelle Preisentwicklung. Pensionisten haben aber nichts davon, dass Flachbildschirme billiger wurden. Womit das wichtigste Faktum von allen lautet: Reformverweigerung und Reformverhinderung von gestern sind die De-facto-Pensionskürzungen von heute. Und morgen.

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