Was würde Lincoln sagen?

Der erste Halt auf meiner USA-Reise führt mich nach Washington D.C., in den Schatten des ersten republikanischen Präsidenten Amerikas. Auf die zukünftigen Präsidenten blickt die Welt unterdessen heute Abend: Bei der dritten TV-Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Was würde Lincoln sagen? SN/kröll
Die Lincoln-Statue in Washington.

Abraham Lincoln hält an seinem versteinerten Blick fest, als sich unsere Blicke nach elf Stunden Flug beim Lincoln Memorial in Washington DC. zum ersten Mal treffen. Das Denkmal des ersten republikanischen Präsidenten Amerikas thront riesenhaft am Ende der National Mal während sich die Frage - ebenso wie ein Schwall Touristen - aufdrängt: Was würde jener Republikaner, der die Nordstaaten im Bürgerkrieg zum Sieg führte, die Union wieder herstellte und die Sklaverei abschaffte, wohl zu einem möglichen republikanischen Präsidentschafts-Nachfolger Donald Trump sagen?

Während Lincoln schweigt, wird sich Trump heute in gewohnter lautstarker und untergriffiger Manier äußern. Beim dritten TV-Duell in Las Vegas erfolgt der finale Schlagabtausch mit Hillary Clinton vor laufenden Kameras. So viel Mutmaßung sei erlaubt: Um Sachthemen dürfte es dabei nicht gehen. Diese sind aus dem Wahlkampf seit dem Bekanntwerden der Sexismus-Vorwürfe gegen Trump zur Gänze verschwunden. Schönheitsköniginnen und sexuelle Übergriffe lassen sich leichter verkaufen, als sperrige Einwanderungspolitik und eine schrumpfende Mittelschicht.

Ob der schmutzigste Wahlkampf um das mächtigste Amt der Welt noch schlimmer werden kann? Zu befürchten ist es, auch wenn US-Medien bereits die zweite TV-Debatte mit dem Label "hässlichste aller Zeiten" versehen haben. Aber Amerika, ist nicht umsonst bekannt für seine Superlative.

Eines muss der Schlammschlacht aber zu Gute gehalten werden: Das vorhandene Potenzial aus der Tragödie eine Komödie zu machen. Vor allem das Team von "Saturday Night Live" (SNL) erhielt für seine Parodien der ersten beiden TV-Duelle Begeisterungsstürme. Nur Donald Trump fand es - wenig überraschend - "langweilig und unlustig" und witterte eine neuerliche Verschwörungstheorie gegen seine Person. Wer sich selbst ein Bild machen möchte und eine lustige Einstimmung auf das dritte Duell sucht, hier die ersten beiden Debatten in der SNL-Version.

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Grandios: Hollywood Schauspieler Alec Baldwin (bekannt aus "Jagd auf Roter Oktober" oder "Auf Messers Schneide") in seiner Rolle als Donald-Trump.

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Der Countdown läuft: noch 20 Tage bis zur Wahl.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 10:02 auf https://www.sn.at/politik/was-wuerde-lincoln-sagen-966073

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