Weltpolitik

10.000 Italiener wollen auf Grillos Wahllisten kommen

Der Andrang für einen Platz auf der Kandidatenliste der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung in Italien ist groß: 10.000 Italiener bewerben sich um einen Platz auf den Wahllisten der Fünf-Sterne-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo. Sie wollen für die Partei nach den Wahlen am 4. März ins italienische Parlament einziehen.

Die offiziellen Wahllisten der Fünf-Sterne-Bewegung werden am Freitag bei einer Wahlveranstaltung in Pescara vorgestellt. "Die Kandidaturen sind gründlichen Kontrollen unterzogen worden. Wir werden nicht jeden zum Parlament zulassen. Wir sind die einzige italienische Gruppierung, die Bürgerdemokratie fördert. Bei allen anderen politischen Kräften bestimmen die Parteizentralen die Kandidaten", betonte der Premierkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio. Der 31-Jährige kandidiert in seiner süditalienischen Heimatstadt Pomigliano d'Arco bei Neapel für einen Parlamentssitz.

Die "Rousseau" genannte Internet-Plattform der Fünf-Sterne-Bewegung konnte dem Ansturm von Grillo-Aktivisten, die ihre Kandidatur einreichen wollten, nur schwer standhalten. Wegen technischer Probleme wurde die Frist für die Stimmabgabe verlängert. Ein Komitee prüft die Zuverlässigkeit der Kandidaten, die bezeugen müssen, dass sie wählbar sind und keine Probleme mit der Justiz haben.

Basisdemokratie ist der Grundbegriff, auf den sich die Fünf-Sterne-Bewegung stützt. Die Position zu einzelnen Themen wird ebenfalls durch Konsultationen im Netz festgesetzt. Das Fünf-Sterne-Credo basiert auf keiner starren Ideologie, sondern auf einer Mischung aus Umweltpolitik, Liberalismus in der Wirtschaft, sozialer Verantwortung und Kritik an etablierten Machtlobbys. Rechts und links seien längst überholte Begriffe, argumentiert Di Maio. Entscheidend sei vielmehr, konkrete Probleme anzupacken und vernünftig zu lösen, unterstreicht Bewegungsgründer Grillo. Kritiker werfen der Partei populistische Züge vor.

Um eine Wiederwahl bewerben sich fast alle Fünf-Sterne-Parlamentarier der letzten Legislaturperiode mit Ausnahme des Spitzenpolitikers Alessandro Di Battista, der bereits im Dezember seinen Verzicht auf ein Mandat signalisiert hatte. Grillo hat sich bisher noch nie um einen Parlamentssitz beworben.

Die Fünf-Sterne-Bewegung könnte laut Umfragen mit rund 28 Prozent der Stimmen bei der Wahl stärkste Einzelkraft werden. Da sie mindestens 40 Prozent der Stimmen benötige, um allein regieren zu können, erklärte sich Di Maio zu Abkommen mit anderen Parteien im Parlament bereit, um einzelne Reformen über die Bühne zu bringen. Wahlallianzen lehnt die Fünf-Sterne-Bewegung aber grundsätzlich ab.

Quelle: APA

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