Weltpolitik

16-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi soll angeklagt werden

Israel hat Anklage gegen eine 16-jährige Palästinenserin erhoben, die einen Soldaten im Dorf Nabi Saleh vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen und damit großes Aufsehen erregt hatte. Ihrer Anwältin zufolge sei Ahed Tamimi vor einem Militärgericht im besetzten Westjordanland am Montag wegen Körperverletzung angeklagt worden, die Untersuchungshaft wurde um eine Woche verlängert.

Ahed Tamimi bei ihrer Anhörung SN/APA (AFP)/AHMAD GHARABLI
Ahed Tamimi bei ihrer Anhörung

Tamimi ist in zwölf Punkten angeklagt, die nicht nur die Konfrontation am 15. Dezember 2017 betreffen, sondern auch fünf weitere Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte im letzten Jahr. Einer Mitteilung der Armee zufolge wird sie unter anderem beschuldigt, Steine geworfen und Drohungen ausgesprochen zu haben sowie an Ausschreitungen beteiligt gewesen zu sein.

Tamimis vier Jahre ältere Cousine Nur wurde wegen des Vorfalls bereits wegen schwerer Körperverletzung und Behinderung von Soldaten im Dienst angeklagt. Die Untersuchungshaft der 20-jährigen endet am Dienstagnachmittag. Sofern der Staatsanwalt keinen Einspruch erhebe, werde sie gegen eine Kaution von 5.000 Schekel (rund 1.200 Euro) freigelassen, berichtete die Anwältin.

Das Militärgericht von Ofer hat auch gegen Tamimis ebenfalls beteiligte Mutter Nariman in fünf Punkten Anklage erhoben und wird sie bis Montag in Gewahrsam behalten. Ihr werden zudem weitere Konfrontationen mit Soldaten und der Nutzung des Netzwerks "Facebook" zum "Aufruf zu terroristischen Akten" angelastet.

Die Frauen waren im vergangenen Monat nach einem Vorfall in dem Dorf Nabi Saleh nahe Ramallah festgenommen worden. Auf einem Handyvideo, das sich schnell in sozialen Medien verbreitete, war zu sehen, wie Tamimi, ihre Mutter und ihre Cousine Nur die Konfrontation mit zwei israelischen Soldaten suchen.

Die beiden jungen Frauen traktieren die Israelis mit Fußtritten und Ohrfeigen. Die schwer bewaffneten Männer reagieren zunächst nicht auf die Attacke, die eher eine Provokation zu sein scheint als ein ernsthafter Versuch, sie zu verletzen, und ziehen sich schließlich zurück, als Tamimis Mutter Nariman auf sie einredet.

Laut Staatsanwaltschaft befanden sich die Soldaten in der Einfahrt, um zu verhindern, dass Palästinenser von dort aus israelische Autofahrer mit Steinen bewerfen. Der Vorfall löste eine Kontroverse aus: In Israel wurden die Soldaten für ihre zurückhaltende Reaktion gelobt und Tamimi als "Provokateurin, die es versteht, ihre Taten zu medialisieren", kritisiert.

Unter Palästinensern gilt die am 19. Dezember verhaftete Jugendliche mit der auffälligen rotblonden Lockenmähne als Heldin und avancierte zu einer Symbolfigur in der Propagandaschlacht des Nahostkonflikts. In sozialen Netzwerken wird die 16-Jährige für ihren "Mut gegenüber Schurken" gelobt und als "so viel wert wie tausend Männer" gepriesen. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas rief nach dem Vorfall ihren Vater an und lobte den Widerstand der Familie gegen die israelische Besatzung, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete.

Tamimi steht nicht zum ersten Mal im Rampenlicht: Bereits 2012 gingen Fotos von ihr um die Welt, wie sie einem israelischen Soldaten die geballte Faust entgegen reckte. Daraufhin wurde sie vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan empfangen, der damals noch das Amt des Ministerpräsidenten bekleidete. Aus dem Jahr 2015 gibt es ein Foto von ihr, wie sie einem israelischen Soldaten in die Hand beißt, um ihn an der Festnahme eines ihrer Brüder zu hindern.

Ihr Vater Bassem war mehrere Jahre in Israel inhaftiert und ist bei Demonstrationen bis heute häufig ganz vorne dabei. Ihm und dem Rest der Familie wird vorgeworfen, ihre junge Tochter für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Der Vater schreibt die Prominenz seiner Tochter auch ihren Haaren und ihren "westlichen" Kleidern zu: "Wenn sie verschleiert und dunkelhäutig wäre, würde sie dann dieselbe Aufmerksamkeit bekommen?", fragt er.

Die 2001 geborene Ahed Tamimi wuchs in diesem Umfeld des Widerstands auf. "Ich kann nicht an meine Zukunft denken, weil die Besatzung mich daran hindert", sagt sie in einem Video vom Februar 2017. Das Mädchen wollte früher Profi-Fußballerin werden, wie Aheds Vater sagt. Heute träume sie davon, Jus zu studieren - "um ihre Familie und ihr Dorf verteidigen zu können".

Quelle: Apa/Ag.

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