Weltpolitik

1670 minderjährige Flüchtlinge erreichten Italien

Mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen, die über die Mittelmeerroute nach Italien kommen, wächst auch die Anzahl unbegleiteter Minderjähriger. 1.670 alleinreisende Minderjährige erreichten in den ersten beiden Monaten des Jahres 2017 Italien. Im gesamten Jahr 2016 trafen 25.846 Minderjährige im Land ein, doppelt so viele wie im Vorjahr, wie das Innenministerium am Mittwoch in Rom mitteilte.

Unbegleitete Kinder sind Übergriffen ausgesetzt.  SN/APA (AFP)/ANDREJ ISAKOVIC
Unbegleitete Kinder sind Übergriffen ausgesetzt.

Der Europarat hatte am Montag seine Mitgliedstaaten aufgefordert, energischer gegen sexuelle Ausbeutung unbegleiteter Kinder vorzugehen. Dazu müsse sichergestellt werden, dass minderjährige Flüchtlinge nicht gemeinsam mit Erwachsenen in Lagern, Kasernen oder Sporthallen untergebracht werden, sondern in Pflegefamilien oder speziellen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche versorgt werden. Außerdem müssten die Methoden zur Identifizierung möglicher Opfer verbessert werden.

Seit Anfang 2017 sind insgesamt 15.844 Migranten in Italien eingetroffen, das sind deutlich mehr als im Vergleichszeitraum 2016, als 9.030 Flüchtlinge registriert wurden. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 hatten 9.117 Migranten Italien erreicht.

Der Migrationsbeauftragte des Europarats drängte die europäischen Länder am Mittwoch zu mehr Hilfe für Italien in der Flüchtlingskrise. "Italien darf bei der Bewältigung dieser Herausforderungen nicht alleine gelassen werden", hieß es in einem in Straßburg veröffentlichten Bericht. "Die Mitgliedstaaten des Europarats müssen Solidarität zeigen, indem sie eine gerechtere Verteilung der Asylsuchenden in Europa sicherstellen."

Aus dem Bericht von Tomas Bocek geht hervor, dass das gesamte italienische Aufnahmesystem der Zahl der ankommenden Flüchtlinge nicht gewachsen ist. Der Migrationsbeauftragte schlug vor, dass das Land Kredite bei der Europäischen Entwicklungsbank beantragen könnte, um die Situation zu verbessern.

Um das Geschäft der Schlepper auf dem Mittelmeer in den Griff zu kriegen, braucht es nach Ansicht Boceks eine bessere juristische Zusammenarbeit zwischen Italien auf der einen Seite und der Türkei sowie Nordafrika auf der anderen. Derzeit scheitere eine Strafverfolgung auch daran, dass Ägypten seine Staatsangehörigen nicht ausliefere, die Türkei Rechtshilfeersuchen nicht beantworte und die politische Situation in Libyen einer Kooperation entgegenstehe.

Quelle: APA

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