Weltpolitik

2.000 Neofaschisten versammelten sich an Mussolini-Grab

Rund 2.000 Faschismus-Nostalgiker haben sich am Sonntag im Geburtsort des faschistischen Diktators Mussolini Predappio in Norditalien versammelt. Sie feierten den 100. Jahrestag des Marsches auf Rom am 28. Oktober 1922, mit dem der "Duce" die Macht in Rom ergriffen hatte. Die Neofaschisten defilierten bis zur Krypta, in der Mussolini begraben ist. Viele der Teilnehmer trugen schwarze Hemden und skandierte faschistische Slogans.

2.000 Neofaschisten versammelten sich am Mussolini-Grab SN/APA/AFP/PIERO CRUCIATTI
2.000 Neofaschisten versammelten sich am Mussolini-Grab

An der Veranstaltung beteiligte sich auch Orsola Mussolini, eine Urenkelin des faschistischen Diktators. "Wenn wir nach 100 Jahren immer noch hier sind, dann um einem Mann zu gedenken, der diesen Staat gewollt hat und dem wir immer unsere Bewunderung aussprechen werden", sagte Orsola Mussolini.

"Die Veranstaltung dient als Erinnerung an den Marsch vor 100 Jahren, der den italienischen König dazu veranlasste, unseren Urgroßvater zum Premierminister zu ernennen. Von dort aus machten er und seine Mitarbeiter sich auf den Weg, um einen neuen, effizienteren und wirksameren Staat zu schaffen, der auf die Lösung von Problemen ausgerichtet war", sagte Orsola Mussolini.

Warteschlangen bildeten sich vor drei Geschäften, die in Predappio Sweatshirts, Mussolini-Büsten und andere faschistische Devotionalien verkaufen. 20 Euro kostet ein T-Shirt mit der Schrift "Marsch auf Rom".

Der Einfall der "Schwarzhemden", der Anhänger des "Duce" am 28. Oktober 1922 in der italienischen Hauptstadt gilt als Beginn der faschistischen Herrschaft in Italien, ein Ereignis mit Folgen für ganz Europa. Mussolini und seine faschistischen "Schwarzhemden" übernahmen gewaltsam die Macht in einem nach dem Ersten Weltkrieg wirtschaftlich und sozial desolaten Italien.

Der Marsch auf Rom war eine Mischung aus Staatsstreich und geordnetem Regierungswechsel. In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1922 stellten sich tausende "Schwarzhemden" zum Marsch bereit und begannen damit, lokale Verwaltungsgebäude, Verkehrsknotenpunkte und Kasernen zu besetzen. Die hilflose italienische Regierung sah keinen anderen Ausweg als zurückzutreten und den Belagerungszustand auszurufen. Als sich König Vittorio Emanuele III. aus Angst vor einem ausbrechenden Bürgerkrieg dann weigerte, das Dekret über den Belagerungszustand zu unterzeichnen, war der Weg für Mussolini frei, die Regierungsmacht in Italien an sich zu reißen.

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