Weltpolitik

30.000 Menschen aus Nordosten Nigerias geflüchtet

Erneut hat der Konflikt mit der Terrormiliz Boko Haram in Nigeria tausende Menschen in die Flucht getrieben. Allein am Wochenende mussten rund 30.000 Menschen aus der nordöstlich gelegenen Stadt Rann in das benachbarte Kamerun fliehen, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) am Dienstag mitteilte.

Die Bewohner von Rann seien aus Angst vor einem Anschlag durch die Islamisten geflohen, sagte der UNHCR-Sprecher Babar Baloch in Genf. Zuvor sei bekannt geworden, dass eine multinationale Task Force, die 2013 zum Schutze der lokalen Bevölkerung gegründet wurde, die Stadt verlassen werde. Unmittelbar danach hatte Boko Haram angekündigt, nach Rann zurückkehren zu wollen.

Boko Haram terrorisiert seit 2009 den verarmten Nordosten Nigerias und angrenzende Gebiete. Das nigerianische Militär konnte seit 2016 große Gebiete in der Region sichern, die Fundamentalisten sind jedoch nicht besiegt. Bei ihren Anschlägen und Angriffen sind Schätzungen zufolge mindestens 20.000 Menschen getötet worden.

Die humanitäre Krise in Nigeria und angrenzenden Ländern wird immer schlimmer - zur Bewältigung braucht das UNHCR in diesem Jahr 135 Millionen Dollar (118 Mio. Euro). Angriffe der islamistischen Miliz würden täglich Tausende Menschen zwingen, um ihr Leben zu rennen, sagte Baloch. Das Geld werde benötigt, um die Flüchtlinge und die Gemeinden, die sie aufnähmen, zu unterstützen. Im Vorjahr bekam das UNHCR nach eigenen Angaben weniger als die Hälfte der benötigten Gelder.

Rund 2,5 Millionen Menschen sind bisher vor der Gewalt innerhalb Nigerias oder in angrenzende Länder wie Tschad und Kamerun geflohen. Viele kamen in bereits überfüllten Flüchtlingslagern oder Orten im Nordosten Nigerias an und müssen unter schwierigen Bedingungen überleben, wie Baloch sagte. Andere würden in abgelegene und arme Gebiete der Nachbarländer fliehen. Die Gewalt halte die Menschen davon ab, in ihre Heimat zurückzukehren.

Am 16. Februar finden in Nigeria Parlaments- und Präsidentenwahlen statt. Der derzeitige Präsident Muhammadu Buhari trat 2015 mit dem Versprechen zur Wahl an, die Islamistengruppe zu besiegen.

Quelle: Apa/Ag.

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