Weltpolitik

55 Flüchtlinge starben bei Bootsunglücken im Mittelmeer

Bei Bootsunglücken im Mittelmeer sind erneut Dutzende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Vor der tunesischen Küste nahe der Inselgruppe Kerkenna starben mindestens 46 Menschen, als ihr Boot sank, wie das tunesische Verteidigungsministerium am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur Tap zufolge mitteilte. Vor der türkischen Südküste ertranken mindestens neun Flüchtlinge, darunter sechs Kinder.

Bootsunglücke im Mittelmeer fordern immer wieder tote Migranten SN/APA(Archiv/AFP)/CHRISTOPHE ARCHA
Bootsunglücke im Mittelmeer fordern immer wieder tote Migranten

Vor der tunesischen Küste wurden den Angaben zufolge mindestens 68 Migranten aus Tunesien und anderen Ländern gerettet. Lokale Medien hatten berichtet, auf dem Boot hätten sich 120 Migranten befunden.

Die Rettungsaktion dauere noch an, ergänzte das Ministerium. Das Schiff soll Sicherheitskräften zufolge rund 180 Migranten mitgenommen haben, die meisten aus Tunesien, aber auch rund 80 Personen aus anderen afrikanischen Staaten. Ein Überlebender sagte, der Kapitän habe das Boot verlassen, als es zu sinken begann.

Weil die Kontrollen in Libyen zuletzt verschärft wurden, starten immer mehr Flüchtlingsboote von Tunesien aus. Tunesien steckt in einer Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit und die hohe Inflation sind drängende Probleme. Von dort wird oft die italienische Mittelmeerinsel Sizilien angesteuert. Die neue Regierung in Rom will die Flüchtlingszahlen reduzieren.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben dieses Jahr bis Ende Mai schon mehr als 32.000 Flüchtlinge Europa auf dem Seeweg erreicht. Rund 660 Menschen starben während der Überfahrt.

Der neue italienische Innenminister Matteo Salvini sagte bei einem Besuch in Sizilien mit Blick auf das jüngste Unglück: "Ziel ist es, Leben zu retten. Und das macht man, indem man die Abfahrten der Boote des Todes aufhält." Zuvor hatte er wieder Stimmung gegen Migranten gemacht und unter anderem gesagt: "Für die Illegalen ist das schöne Leben vorbei, sie müssen die Koffer packen."

Von Tunesien starten eigentlich wesentlich weniger Migranten auf Booten in Richtung Italien als vom chaotischen Nachbarland Libyen. Die Inselgruppe Kerkenna in der tunesischen Provinz Sfax entwickelte sich aber zuletzt immer mehr zum Ausgangspunkt vieler illegaler Überfahrten. Im vergangenen Jahr hatten rund 5.700 Tunesier versucht, Europa auf dem Seeweg zu erreichen.

Die türkische Küstenwache berichtete, vor der Küste der Provinz Antalya sei ein Schnellboot mit Flüchtlingen gesunken. Fünf Menschen an Bord seien von der Küstenwache beziehungsweise von einem Fischerboot gerettet worden. Zur Nationalität der Betroffenen machte die Küstenwache keine Angaben. Die EU-Kommission hatte kürzlich mitgeteilt, dass die Zahl der Migranten, die über die Türkei illegal in die EU kommen, in den ersten Monaten des Jahres wieder deutlich angestiegen sei.

Quelle: Apa/Ag./Dpa

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