Weltpolitik

634 Mill. Euro für 10 Millionen Vertriebene

Die Geberkonferenz für notleidende Menschen in der Tschadsee-Region hat Soforthilfen in Höhe von 634 Millionen Euro zugesagt - und damit deutlich weniger als erhofft. Insgesamt 14 Länder machten am Freitag Finanzzusagen, darunter Deutschland in Höhe von 120 Millionen Euro. Die USA legten sich noch nicht fest.

Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück.  SN/APA (AFP)/HAAKON MOSVOLD LARSEN
Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück.

In den Ländern im Einflussgebiet der Islamistengruppe Boko Haram brauchen nach UNO-Schätzungen 10,7 Millionen Menschen dringend Hilfe. Zu den betroffenen Ländern zählen Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad. Durch den gewaltsamen Konflikt mit Boko Haram sind in den Staaten vielerorts die Bildungs- und Gesundheitssysteme zusammengebrochen. Außerdem funktioniert die Landwirtschaft nicht mehr, weshalb es schwere Lebensmittelengpässe gibt. Eigentlich war das Ziel, bei der Konferenz in Oslo 1,4 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für das laufende Jahr zu sammeln.

Zugesagt wurden nun zunächst 634 Millionen Euro für ein auf drei Jahre angelegtes Programm, davon 430 Millionen Euro für das Jahr 2017. Zu den Geberländern zählten vor allem westeuropäische Staaten, außerdem Japan und Südkorea.

Die USA wollten zu einem späteren Zeitpunkt über ihren Beitrag informieren und seien deshalb zunächst nicht mit eingerechnet, sagte Norwegens Außenminister Börge Brende bei einer Pressekonferenz. Die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump will ihre internationalen Hilfsgelder zurückfahren.

UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zeigte sich dennoch optimistisch, das angestrebte Ziel für dieses Jahr noch zu erreichen. "An einem Vormittag haben wir schon ein Drittel zusammenbekommen", sagte er. Nigerias Außenminister Geoffrey Onyeama sagte, mit den zugesagten Geldern werde "nur die Spitze des Eisbergs" erreicht. "Aber wir sind sehr dankbar."

Boko Haram kämpft im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. Inzwischen ist die Miliz auch in den Nachbarländern Niger, Tschad und Kamerun aktiv. Seit 2009 wurden mehr als 20.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen weitere in die Flucht getrieben.

Quelle: Apa/Ag.

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