Weltpolitik

87 türkische Geheimdienstmitarbeiter entlassen

Im Zusammenhang mit dem vereitelten Militärputsch in der Türkei sind dutzende Mitglieder des türkischen Geheimdienstes entlassen worden. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag berichtete, wurden 87 der 141 vom Dienst suspendierten Mitarbeiter des MIT endgültig ihrer Posten enthoben. Auch sie sollen Verbindungen zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen haben.

Gegen 52 der entlassenen Geheimdienstmitarbeiter leiteten die Behörden Strafverfahren ein, wie Anadolu weiter berichtete. Es war das erste Mal, dass die türkische Führung bei ihrer Säuberungsaktion nach dem Putschversuch den Geheimdienst konkret ins Visier nahm. Gülen lebt in den USA im Exil und bestreitet, an der Militärrevolte beteiligt gewesen zu sein. Ankara fordert von Washington die Auslieferung des Predigers.

Zwei Monate nach der Schließung eines Gülen-nahen Hilfswerks in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft zudem die Festnahme von mehr als 120 Mitgliedern der humanitären Organisation angeordnet. Darunter sei der Vorsitzende von Kimse Yok Mu (auf Deutsch: "Ist da jemand"), Ismail Cingöz, meldete Anadolu.

In 18 türkischen Provinzen kam es demnach zu Razzien, vor allem in Istanbul. Die Hilfsorganisation, die in über hundert Ländern aktiv war, war in der Türkei bereits am 23. Juli per Notstandsdekret geschlossen worden. Die Medien-Plattform "Habertürk" berichtete, Grundlage der Razzien sei der Vorwurf, Kimse Yok Mu habe Spendengelder an das Netzwerk Gülens weitergeleitet.

Die türkische Regierung unterdessen einen erneuten Vorstoß zur Auslieferung von zwei prominenten mutmaßlichen Gülen-Anhängern aus Deutschland unternommen. Die türkische Botschaft in Berlin habe das Auswärtige Amt aufgefordert, den Aufenthaltsort der früheren Staatsanwälte Zekeriya Öz und Celal Kara zu ermitteln, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend.

Die Agentur berief sich auf Diplomatenkreise. Grundlage seien Medienberichte, wonach sich Öz und Kara derzeit in Freiburg aufhielten. Sollte sich das bewahrheiten, fordere die Türkei die sofortige Festnahme und Auslieferung der Verdächtigen.

Quelle: Apa/Dpa

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