Weltpolitik

AfD-Chef Meuthen in Parteispendenaffäre schwer belastet

Der deutsche AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen gerät Medienberichten zufolge in einer Affäre um fragwürdige Wahlkampffinanzierung weiter unter Druck. In einer eidesstattlichen Versicherung behaupte demnach Meuthens früherer Wahlkampfleiter Ralf Özkara, Meuthen sei bewusst gewesen, dass die Unterstützung rechtlich zweifelhaft war.

Jörg Meuthen SN/AP
Jörg Meuthen

Das berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) und der "Spiegel" am Samstag übereinstimmend. Dem "Spiegel" zufolge bestätigte Özkara die Echtheit des Dokuments.

In der Angelegenheit geht es um den Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg 2016. Meuthen hatte damals in zwei Wahlkreisen kandidiert. Dort hängte die PR-Agentur namens Goal AG mit Sitz in der Schweiz Plakate auf, verteilte Flyer und schaltete Anzeigen in Lokalblättern. Finanziert wurde dies von Spendern. Den gesamten Vorgang wertete der Deutsche Bundestag als verbotene Annahme anonymer Spenden und verhängte ein Bußgeld in Höhe von 269.400 Euro.

In der eidesstattlichen Versicherung zitiert der damalige Wahlkampfmanager Özkara laut RND und "Spiegel" Meuthen mit den Worten: "Hängen Sie das nicht an die große Glocke. Ist ein bisschen heikel, weil diese Geschichten aus der Schweiz kommen." Meuthen wiederum sagte den Zeitungen und dem Magazin: "Ich kann mich in keiner Weise erinnern, diese Aussagen jemals gegenüber Herrn Özkara gemacht zu haben. Sie ergäben auch keinerlei Sinn." Der Inhaber der Goal AG, Alexander Segert, sei schließlich Deutscher.

Im Prozess um das von der deutschen Bundestagsverwaltung verhängte Bußgeld hatte Meuthen im Jänner gesagt, er habe während des Wahlkampfs "nicht den geringsten Anlass zu glauben gehabt, dass ich unrechtmäßig handeln könnte". Segert sei ein enger Bekannter von ihm und habe als "Freundschaftsdienst" angeboten, einige Werbemaßnahmen umzusetzen. Er selbst habe keinen Einfluss auf die Arbeit der Goal AG gehabt, sein Bekannter habe völlig unabhängig gehandelt, sagte Meuthen damals.

Der deutsche AfD-Chef verlor den Prozess vor dem Verwaltungsgericht Berlin. Der "Spiegel" berichtete am Samstag, aus dem Bundesvorstand sei zu hören, dass Meuthen entgegen früherer Ankündigungen doch nicht mehr in Berufung gehen wolle. Damit müsste die AfD die Strafzahlung wegen illegaler Parteienfinanzierung bald leisten.

Quelle: Apa/Ag.

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