Weltpolitik

Aleppo: Moskau und Damaskus werfen Rebellen Gräueltaten vor

Nach der vollständigen Eroberung von Aleppo haben Moskau und Damaskus den aus dem Ostteil der syrischen Stadt vertriebenen Rebellen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung vorgeworfen. Es seien "mehrere Massengräber mit dutzenden Leichen" entdeckt worden, erklärte am Montag das russische Verteidigungsministerium. Moskau kündigte zudem eine noch stärkere Kooperation mit dem Iran an.

Spuren der Verwüstung in Aleppo.  SN/APA (AFP)/GEORGE OURFALIAN
Spuren der Verwüstung in Aleppo.

Zu den entdeckten Massengräbern sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenko, die Menschen seien "grausam gefoltert und hingerichtet" worden. Es müssten nun genaue Untersuchungen folgen. Diese würden aber mit Sicherheit dazu führen, dass der Westen "seine Verantwortung für die Grausamkeiten" der syrischen Rebellen anerkennen müsse.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits, dass die Rebellen bei ihrem Rückzug aus Ost-Aleppo mindestens 21 Zivilisten getötet hätten. Die Leichen der Opfer, unter ihnen mindestens fünf Kinder und vier Frauen, seien in Gefängnissen der inzwischen vertriebenen "Terrorgruppen" entdeckt worden, zitierte Sana den leitenden Gerichtsmediziner in Aleppo. Sie seien "durch Schüsse aus sehr kurzer Distanz hingerichtet" worden.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, dass mehrere Leichen auf den Straßen Ost-Aleppos gefunden worden seien. Sie konnte aber keine Angaben darüber machen, wie die Menschen zu Tode kamen.

Die syrischen Regierungstruppen hatten am Donnerstag nach wochenlangen Kämpfen mit russischer Unterstützung Aleppo wieder komplett unter Kontrolle gebracht. Auch ihnen werden Gräueltaten zur Last gelegt. Nach UN-Angaben hatten sie in den Tagen vor der Rückeroberung des Ostteils der Stadt mindestens 82 Zivilisten getötet. Die Opfer seien regelrecht hingerichtet worden.

Die Vertreibung der Rebellen aus Aleppo wurde vom iranischen Präsidenten Hassan Rouhani und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin als wichtiger Schritt im Kampf gegen den "Terrorismus" gefeiert. "Der Sieg der syrischen Armee sendet die Botschaft, dass die Terroristen ihre Ziele nicht erreichen können", sagte Rouhani nach Angaben iranischer Staatsmedien am Samstagabend in einem Telefonat mit dem Kreml-Chef.

Moskau und Teheran sind Verbündete des syrischen Staatschefs Assad und bezeichnen alle Rebellen in Syrien als "Terroristen". Die Kooperation zwischen Russland und dem Iran in Syrien werde fortgesetzt, sagte Putin. Er und Rouhani kündigten Friedensgespräche für Syrien an, die in Kasachstan stattfinden sollen. Einzelheiten nannten sie nicht.

Unterdessen wurde ein lokaler Mitarbeiter der tschechischen Hilfsorganisation "Mensch in Not" (Clovek v tisni)bei Luftangriffen nahe Aleppo getötet. Wie die Organisation am Montag in Prag dem Nachrichtenportal Novinky.cz mitteilte, sei der Regionalkoordinator für das Gebiet von Aleppo mit seiner Familie zu Hause gewesen, als sein Wohnort bombardiert wurde.

Auch seine Frau und mehrere Familienmitglieder seien getötet worden. Hasan Said as-Sun sei damit bereits der fünfte Mitarbeiter der Hilfsorganisation, der in Syrien ums Leben kam.

Die bekannteste tschechische Hilfsorganisation ist seit 2012 in Syrien tätig und hat dort nach eigenen Angaben bereits rund zwei Millionen Flüchtende aus umkämpften Gebieten mit Lebensmitteln, Decken, Wasserkanistern und anderen Hilfsgütern versorgt.

Quelle: Apa/Ag.

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