Weltpolitik

Aleppo: UNO schickt Beobachter - Evakuierung wieder aufgenommen

Der UNO-Sicherheitsrat hat die Entsendung von Beobachtern in die lange umkämpfte syrische Stadt Aleppo beschlossen. Dort läuft die Evakuierung der letzten Rebellengebiete, die am Sonntag wieder aufgenommen worden war. Insgesamt hätten seit dem Beginn der Transporte 20.000 Menschen die Stadt verlassen, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag mit.

Jetzt werden wieder Zivilisten aus Ost-Aleppo in Sicherheit gebracht. SN/ap
Jetzt werden wieder Zivilisten aus Ost-Aleppo in Sicherheit gebracht.

Alle 15 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats stimmten in New York einem Kompromissentwurf zu. Darin fordert der Rat den UNO-Generalsekretär auf, eine Beobachtung der Evakuierung zu organisieren. Alle Kriegsparteien werden zudem aufgerufen, die Sicherheit der UNO-Vertreter zu garantieren und ihnen sowie humanitärer Hilfe freien Zugang in die Konfliktgebiete zu gewähren.

Die Resolution hätte eigentlich schon am Sonntag verabschiedet werden sollen. Die Entscheidung war dann aber nach einer russischen Veto-Drohung und mehr als drei Stunden Verhandlungen hinter verschlossenen Türen auf Montag verschoben worden.

Der syrische UNO-Botschafter Bashar Ja'afari wertete den Beschluss des Sicherheitsrates als "Teil der fortgesetzten Propaganda gegen Syrien und seinen Kampf gegen Terroristen". Frankreichs Präsident Francois Holland forderte umgehend, die nun beschlossene Resolution müsse "den Weg zu einem Waffenstillstand und Verhandlungen" ebnen.

Seit der Wiederaufnahme der Evakuierung am Sonntagabend wurden nach Angaben des Roten Kreuzes 5.000 Menschen in das Umland südwestlich von Aleppo gebracht. Abertausende warteten in Ost-Aleppo noch auf ihren Transport, erklärte die Organisation weiter. Es sei schwierig zu sagen, wie lange die Evakuierung noch dauern werde.

Die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos hatte am vergangenen Donnerstag begonnen, wurde dann aber am Freitag unterbrochen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass sich noch rund 30.000 Menschen in dem Rebellengebiet aufhalten.

Der syrische UNO-Botschafter erklärte unterdessen in New York, die letzten "Terroristen" würden die frühere Wirtschaftsmetropole verlassen, der Prozess werde noch am Montag beendet sein. "Aleppo wird heute Abend sauber sein." Die syrische Regierung bezeichnet alle Regierungsgegner als "Terroristen", egal ob sie gemäßigten oder jihadistischen Gruppen angehören.

Im Gegenzug begann der Transport von Zivilisten aus den von Rebellen belagerten Orten Foua und Kefraya im Nordwesten Syriens. Diese werden vor allem von Schiiten bewohnt. Busse brachten rund 500 Menschen in einen von der Regierung gehaltenen Teil Aleppos, darunter Frauen, Kinder, Kranke und Verletzte, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte.

Nach dem Stopp der Evakuierung hatten sich Syriens Führung und Rebellen auf eine neue Vereinbarung geeinigt, die auch den Transport von Verwundeten, Kranken und anderen Zivilisten aus Foua und Kefraya vorsieht. Damit wird eine Forderung des mit Syrien verbündeten schiitischen Irans erfüllt. Teheran unterstützt schiitische Milizen, die in Syrien an der Seite der Armee kämpfen.

Hilfsorganisationen berichteten, die Menschen in Aleppo litten extrem unter den frostigen Wintertemperaturen. "Viele haben nur noch ihre Kleider am Leib", sagte Nada Hasem von der syrisch-amerikanischen Karam Foundation. "Die Menschen haben Hunger. Und sie frieren so sehr, dass sie es nicht mehr ertragen können."

Der Journalist Suheir al-Shimale berichtete in einem Beitrag für die Nachrichtenseite "Middle East Eye", er sei die vergangenen 24 Stunden auf der Straße gestanden. "Es gab nichts zu essen für die Menschen, die auf der Straße warteten. Es war sehr, sehr kalt."

Auch 47 Kinder aus einem Waisenhaus in Ost-Aleppo wurden in Sicherheit gebracht. Einige von ihnen seien verletzt und dehydriert, teilte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF in Genf mit. Die Evakuierung sei ein Hoffnungsschimmer für zahlreiche andere Kinder in Syrien, sagte der zuständige UNICEF-Regionaldirektor Geert Cappelaere. Viele von ihnen seien von ihren Familien getrennt und bräuchten sofortigen Schutz.

Die syrische Armee und mit ihr verbündete Rebellen hatten bei einer Offensive in den vergangenen Wochen den größten Teil der Rebellengebiete Aleppos eingenommen. Unter Vermittlung Russlands und der Türkei einigten sich Regierung und Opposition auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus Ost-Aleppo.

Die Außenminister des Irans, Russlands und der Türkei wollen am Dienstag in Moskau zu Gesprächen über Syrien zusammentreffen. Gleichzeitig kommen die Verteidigungsminister der drei Länder in der russischen Hauptstadt zusammen, wie das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag bestätigte.

Quelle: Apa/Dpa

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