Weltpolitik

"Amerika zuerst": Trump will US-Interessen in der Welt durchsetzen

"Amerika zuerst": In seiner ersten Rede als offizieller Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner hat Donald Trump im Falle seiner Wahl eine konsequente Ausrichtung der Politik am Eigeninteresse der USA angekündigt. "Amerikanismus wird unser Credo sein, nicht Globalismus", sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) beim Nominierungsparteitag der Republikaner in Cleveland.

Den Wählern empfahl er sich als Garant für "Recht und Ordnung", der sich gegen Kriminalität, illegale Zuwanderung und Terrorismus stellt. In der Ansprache porträtierte Trump die USA als Land im Niedergang. Die Ansprache kreiste um Begriffe wie "Krise", "Bedrohung" und "Gewalt". Dem stellte der Rechtspopulist die Vision eines Landes entgegen, das aus der Rückbesinnung auf die eigenen Interessen neue Kraft schöpfe. "Das amerikanische Volk kommt wieder zuerst", versprach Trump.

Rücksichtnahme auf die Interessen der US-Verbündeten stellte Trump dabei nicht in Aussicht. Ein klares Bekenntnis legte er nur zum Bündnis mit Israel ab. Die NATO erwähnte er kurz als Kostenfaktor: Die Partner in der Allianz müssten künftig mehr für ihren Schutz zahlen.

Die Handelsabkommen mit anderen Ländern wolle er "komplett neu aushandeln", um mehr Vorteile für die USA herauszuschlagen, kündigte der rechtspopulistische Immobilienmilliardär an. Dabei werde er sich nur von den Interessen der "hart arbeitenden Familien" in den USA leiten lassen.

Den Schwerpunkt seiner mehr als 70 Minuten langen Rede legte Trump auf die innere Sicherheit. Gefahr drohe den USA von Zuwanderern, Kriminellen und ausländischen Terroristen. "Ich habe eine Botschaft an euch alle: Die Kriminalität und die Gewalt, die unsere Nation heimsuchen, werden sehr bald beendet sein."

In den USA seien 180.000 straffällige illegale Einwanderer auf freiem Fuß, kritisierte Trump. "Sie streifen umher und bedrohen friedliche Bürger." Als Präsident werde er "sofort die Zuwanderung aus allen Staaten mit Verbindungen zum Terrorismus aussetzen", kündigte er an. "Wir wollen sie nicht in unserem Land." Seine frühere Forderung, generell allen Muslimen die Einreise zu verwehren, wiederholte Trump nicht.

Hingegen bekräftigte Trump seine umstrittene Forderung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. "Wir werden die Banden und die Kriminalität stoppen, wir werden unterbinden, dass die Drogen in unsere Gemeinden kommen." In Reaktion auf Trumps Worte skandierten die Delegierten begeistert: "Bau die Mauer!"

Im außenpolitischen Teil seiner Rede kritisierte der Bau- und Immobilienmilliardär, Ex-Reality-TV-Star und politische Quereinsteiger die "Demütigung" seines Landes durch internationale Krisen wie in Syrien, im Irak und in Libyen. Seiner designierten Gegenkandidatin bei der Wahl im November, Hillary Clinton, gab Trump eine Mitschuld an der Entwicklung. Die Demokratin habe in ihrer Zeit als Außenministerin der USA versagt. "Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche."

Trump sprach in seiner Rede gezielt sozial Benachteiligte an. Den "Vernachlässigten, Ignorierten und Aufgegebenen" wolle er sagen: "Ich bin eure Stimme." Als Präsident werde er Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Seine Gegnerin Clinton hingegen vertrete hingegen nur die Interessen der Wirtschaftselite, von der sie abhängig sei: "Sie ist ihre Marionette, und sie ziehen die Fäden", kritisierte Trump. Noch während Trumps Rede reagierte Clinton mit einer kurzen Twitter-Botschaft: "Wir sind besser als das."

Als besondere Qualifikation für die Präsidentschaft führte Trump seinen eigenen Erfolg als Geschäftsmann an. "Niemand kennt das System besser als ich, deswegen bin ich der einzige, der es reparieren kann", sagte er. "Mit meinen Geschäften habe ich Milliarden von Dollar verdient. Nun werde ich unser Land wieder reich machen."

Trump war am Dienstag vom Parteitag mit breiter Mehrheit formell in das Rennen um die US-Präsidentschaft geschickt worden. In seiner Rede nahm der 70-Jährige die Nominierung offiziell an.

(Apa/Dpa)

Aufgerufen am 19.06.2018 um 08:16 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/amerika-zuerst-trump-will-us-interessen-in-der-welt-durchsetzen-1235794

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