Weltpolitik

André Heller ruft Jugendliche zur Partizipation auf

Der Universalkünstler André Heller hat zu mehr Jugendpartizipation aufgerufen. "Es gibt kein gesellschaftliches Thema, das die Jugend nicht ausbaden muss", sagte er am Montag im Rahmen der "Act NOW"-Konferenz vor Pressevertretern in Wien. Es sei eine "Unverschämtheit", dass man nicht auf sie höre, denn junge Leute hätten teils "mehr Verstand als unsere Politiker".

Jugend müsse sich besonders bei der Klimapolitik engagieren, so Heller SN/APA (dpa/Archiv)/Uwe Anspach
Jugend müsse sich besonders bei der Klimapolitik engagieren, so Heller

Gerade von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wünscht sich Heller, die Jugend mehr einzubinden. "Ich würde mir erwarten, dass er die Nähe zu den jungen Leuten sucht", sagte der Mitgründer der Konferenz in Richtung des 32-jährigen Kanzlers.

Besonders in Bezug auf den Klimawandel sei die Partizipation wichtig. Die Klimathematik wird unglaublich unterschätzt", so Heller. Die Politik nehme derzeit in Kauf, dass "der Planet zugrunde geht". "Der Planet braucht uns nicht, wir brauchen aber den Planeten", betonte er. Dem pflichtete auch die UN-Jugenddelegierte Natalie Haas bei. "Junge Menschen sind sehr engagiert, man sollte sie darum auch einbinden", betonte sie. Die Teilhabe müsse sich auf alle Bereiche und alle Ebenen erweitern und bereits im Kindergarten beginnen.

Dies sei auch ein Dienst an der Demokratie: "Die Demokratien werden weniger, sowohl qualitativ als auch quantitativ", bemerkte Haas. Partizipation stärke hingegen die Demokratie. So wäre für die Jugenddelegierte der Brexit anders ausgegangen, wenn die Jugend ermutigt und motiviert worden wäre. "Je früher man sich demokratisch engagiert, desto besser", meinte Heller. Gerade in Afrika sei das wichtig, da dort der Anteil junger Menschen an der Bevölkerung besonders hoch sei. "Das Ignorieren der Jugendlichen ist unverantwortlich", sagte er. Diese müssten "sich einmischen und abstimmen".

Heller erklärte, dass US-Präsident Donald Trump durch die Protestwelle gegen seine Politik die Demokratie gestärkt habe, da er besonders junge Menschen "emotionalisiert und politisiert" habe. "Trump hat die Menschen für die Demokratie begeistert, indem er sie schwächen wollte", bemerkte er.

Laut der kanadischen Gemeinschaftsentwicklerin Diana Guenther aus Vancouver gebe es zwar immer wieder Phasen, in denen die Jugend zur Beteiligung an unterschiedlichen Bereichen eingeladen werde. "Eine dauerhafte Mitarbeit der Jugend ist aber eine größere Sache", sagte sie. Sie forderte darum, die dauerhafte Teilhabe in Strukturen und Bürokratie einzubauen, um die Partizipation unabhängig von akuten Impulsen der aktuellen Regierungen zu gewährleisten. Junge Menschen müssten ihre politischen Wünsche äußern und kommunizieren, um sie besonders bei sozialpolitischen Themen teilhaben zu lassen.

Der Dialog zwischen den Generationen sei darum auch besonders wichtig. Für Haas wird der Konflikt zwischen Alt und Jung oft jedoch gar nicht ausgetragen. "Wir interagieren in unseren sozialen Blasen", erklärte Haas. Sie forderte darum "mehr Dialog" und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen. "Man wächst nur, wenn man hinterfragt und herausgefordert wird", betonte Guenther. Dazu gehöre auch die gemeinsame Aufarbeitung von Geschichte. Der Dialog sei im persönlichen Raum am effektivsten. "Man muss sich auch nicht einigen", fuhr sie fort. Die Internetkultur habe diese Dialogkultur erschwert. Für Haas muss dabei jede Generation gleichberechtigt sein. "Es muss uns bewusst sein, dass Generationengerechtigkeit heißt, dass die Welt und die Gesellschaft intakt übergeben wird", sagte sie.

"Das wichtigste ist die Beharrlichkeit", unterstrich Heller und rief die Jugend auf, sich nicht entmutigen zu lassen. "Das Leben besteht aus Rückschlägen, aber man richtet sich die Krone, steht auf und geht weiter", fuhr er fort.

Quelle: APA

Aufgerufen am 22.09.2020 um 03:15 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/andre-heller-ruft-jugendliche-zur-partizipation-auf-64831978

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