Weltpolitik

Angebliche Schiffsentführung durch Migranten

Ein Frachtschiff, das eine Gruppe von Migranten im Mittelmeer gerettet hatte und sie nach Libyen zurückbringen wollte, ist nach Aussagen des italienischen Innenministers Matteo Salvini gezwungen worden, seine Route zu ändern. Die geretteten Migranten hätten den Schiffskapitän und die Crew bedroht und gezwungen Kurs auf Malta zu nehmen, berichtete der rechtspopulistische Politiker am Mittwoch.

Salvini sprach von einer Schiffsentführung, die erfolgte, als sich das Frachtschiff sechs Seemeilen von Tripolis entfernt befand. Die italienische Küstenwache sei alarmiert und beobachte die Situation, hieß es.

Das angeblich von Migranten entführte Frachtschiff "El Hiblu 1" ist mit 108 geretteten Flüchtlingen unterwegs. Mit der Crew würden sich circa 120 Personen an Bord des Schiffes in türkischem Besitz befinden, das mit Flagge des Pazifikinselstaats Palau unterwegs sei. Noch unklar ist, ob das Schiff auf Malta oder Lampedusa zusteuere, berichtete Italiens Innenminister Matteo Salvini.

In einer Videobotschaft auf Facebook wendete sich Salvini direkt an die "Piraten", die das Migrantenschiff entführt hätten. "Ihr könnt vergessen, nach Italien zu kommen!", rief der Lega-Chef. "Es ist offenkundig, dass es hier nicht um arme Schiffbrüchige, sondern um einen kriminellen Menschenhandel geht. Jetzt werden sogar private Schiffe entführt", so Salvini.

Die italienische NGO "Mediterranea Saving Humans" erwiderte, dass sich an Bord der "El Hiblu 1" Menschen auf der Flucht vor "libyschen Konzentrationslagern" befinden würden. Es sei Italiens Pflicht, die Migranten aufzunehmen. "Diese Migranten dürfen weder als Piraten, noch als Kriminelle, sondern als Asylsuchende auf der Flucht vor Libyens Konzentrationslager behandelt werden", so die NGO.

Quelle: APA

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