Weltpolitik

Angebliches Erdogan-Mordkommando in der Türkei vor Gericht

In der Türkei hat der Prozess gegen fast 50 Verdächtige begonnen, die laut der Anklage während des versuchten Militärputsches im Juli Präsident Recep Tayyip Erdogan ermorden wollten. In der südlichen Stadt Mugla erschienen am Montag 44 Verdächtige vor Gericht, während drei weiteren Angeklagten in Abwesenheit der Prozess gemacht wurde.

Erdogan soll nur knapp dem Tod entkommen sein.  SN/APA (AFP)/GREG BAKER
Erdogan soll nur knapp dem Tod entkommen sein.

Die Beschuldigten wurden unter den Pfiffen und Schmährufen der Zuschauer von Sicherheitskräften ins Gericht geführt. Unter den Angeklagten sind 38 Soldaten, die zu einem Mordkommando gehört haben sollen. Laut der Anklage wollten sie Erdogan in einem Hotel in der Küstenstadt Marmaris ermorden, wo er in der Nacht des 15. Juli mit seiner Familie im Urlaub war. Nach der Darstellung von Erdogan entkam er nur knapp dem Tod. Zwei Polizisten beim Hotel wurden getötet. Die Staatsanwaltschaft hat mehrfach lebenslang für die Angeklagten gefordert.

In der Türkei wird die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich gemacht. Laut der Regierung hat die Bewegung, die lange ein enger Verbündeter der regierenden AK-Partei war, über Jahre systematisch Militär, Polizei, Justiz und Verwaltung unterwandert. Gülen, der seit Jahren in den USA im Exil lebt, bestreitet aber jede Verwicklung und hat den Umsturzversuch scharf verurteilt.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Putschversuch sind 227 weitere Richter und Staatsanwälte entlassen worden. Ihnen werden Verbindungen zum in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag meldete.

Seit dem Putschversuch wurden 43.000 Menschen inhaftiert und mehr als 120.000 aus dem Staatsdienst entlassen. In den vergangenen Wochen eröffnete die Justiz mehrere Verfahren gegen mutmaßliche Putschisten, doch warten die meisten Verdächtigen noch auf ihren Prozess. Kritiker werfen der Regierung Willkür vor und befürchten, dass die Verdächtigen kein rechtsstaatliches Verfahren erhalten.

Erdogan war es in der Nacht des 15. Juli gelungen, zusammen mit engen Familienmitgliedern wie seinem Schwiegersohn, Energieminister Berat Albayrak, ein Flugzeug nach Istanbul zu besteigen. Nach eigenen Angaben wäre er 15 Minuten später in Marmaris getötet oder festgenommen worden. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde das Hotel aber erst fast fünf Stunden nach der Abreise Erdogans angegriffen.

Viele Fragen zu den genauen Abläufen in der Nacht des versuchten Staatsstreiches sind weiter offen. Die Opposition beklagt, dass ein Untersuchungsausschuss im Parlament zu dem Putschversuch beendet wurde, ohne die wichtigsten Zeugen zu befragen.

Quelle: Apa/Ag.

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