Weltpolitik

Angriff auf zentralen Hafen im Jemen

Der lang erwartete Angriff auf die für die Versorgung des Jemens zentrale Hafenstadt Hudaida hat begonnen. Die Befreiung der Stadt sei ein Meilenstein im Kampf, den Jemen von den Houthi-Milizen zurückzuerobern, teilte die international anerkannte jemenitische Regierung am Mittwoch mit. Zudem solle damit auch die Sicherheit in der Meerenge Bab al-Mandab wiederhergestellt werden.

Hodeidah soll von den Houthi-Milizen zurückerobert werden SN/APA (AFP)/NABIL HASSAN
Hodeidah soll von den Houthi-Milizen zurückerobert werden

Die Wasserstraße zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika zählt zu den wichtigsten Routen für Öltanker. Die Vereinten Nationen warnten vor dem Angriff vor verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.

Die Hafenstadt im Westen des Bürgerkriegslandes ist zentral für die Versorgung des Jemens. Über Hudaida laufen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den von den Houthi-Rebellen kontrollierten Norden des Landes. Auch die Stadt selbst wird seit rund drei Jahren von den Houthis kontrolliert. Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um Hudaida leben. Die UN warnten davor, dass 250.000 Menschen durch einen Angriff auf die Stadt alles verlieren könnten, inklusive ihrer Leben.

Die Offensive auf Hudaida habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt begonnen, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt die Offensive. Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe nahe der Stadt seien von den Houthi-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hieß es aus Militärkreisen.

Die vor Jahren aus der Hauptstadt Sanaa geflohene Regierung machte in einer Mitteilung deutlich, dass die Offensive auf Hudaida erst der Beginn sei, das gesamte Land von den Houthis zurückzuerobern. Die internationale Gemeinschaft sei mehr als einmal gebeten worden, ihrer Verpflichtung nachzukommen, kritisierte die Regierung.

Berichte bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Innerhalb von 30 Minuten habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. Viele Menschen seien eingeschlossen oder würden aus ihren Häusern vertrieben. "Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Anrainer. Zudem droht die Versorgung von Millionen von Jemeniten zusammenzubrechen."

"Die humanitäre Situation im Jemen ist schon jetzt katastrophal", schrieb der Präsident des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), Peter Maurer, auf Twitter. "Der Kampf um Hudaida könnte das Leid der Menschen auf ein unvorstellbares Level bringen." Anrainer berichteten von zahlreichen Kampfjets, die über die Stadt flögen. Es seien zahlreiche Explosionen von Luftangriffen und Bombardierungen durch Kriegsschiffe südlich der Stadt zu hören. Im Stadtzentrum selbst zögen sich Kämpfer der Houthis zusammen.

Der UNO-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. In einer Stellungnahme rief er alle Konfliktparteien am Mittwoch dazu auf, eine weitere militärische Eskalation zu verhindern. "Ich kann nicht genug betonen, dass es keine militärische Lösung für diesen Konflikt gibt", sagte Griffiths. Die UN bezeichnen die Situation im Jemen schon jetzt als größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, dies entspreche dreiviertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert.

Quelle: Apa/Dpa

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