Weltpolitik

Anhaltende Kämpfe in ostukrainischer Stadt Awdijiwka

Anhaltende Kämpfe im Osten der Ukraine haben die 20.000 Einwohner der Stadt Awdijiwka in eine Notlage gebracht. Während die Zahl der Getöteten binnen drei Tagen am Dienstag auf mindestens 13 stieg, brach bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad die Strom- und Gasversorgung zusammen. Die EU beklagte die Kämpfe als "eklatanten Verstoß" gegen die am 23. Dezember vereinbarte Waffenruhe.

Der Konflikt ist noch lange nicht ausgestanden.  SN/APA (Archiv/AFP)/ALEKSEY FILIPPO
Der Konflikt ist noch lange nicht ausgestanden.

Die ukrainische Armee und prorussische Aufständische setzten ihr Kämpfe um Awdijiwka fort. Die Stadt liegt nur wenige Kilometer nördlich der Rebellenhochburg Donezk. Aufständische sollen die Industriestadt am Morgen mit Raketenwerfern und Artilleriefeuer angriffen haben. Beide Seiten machen sich gegenseitig für das Aufflammen der Kämpfe verantwortlich.

"Derzeit gibt es keinen Strom mehr, wir haben keine Lösung für das Heizen gefunden, die Gasleitungen sind zerstört", berichtete eine ukrainische Armeesprecherin. Der Militärverwalter Freedon Wekua sagte, im "äußersten Fall" müsse Awdijiwka evakuiert werden. Die US-Botschaft erklärte, sie sei "sehr besorgt" um die Einwohner der Stadt, vor allem um die 2.500 Kinder.

Die russische Regierung erklärte, ihr lägen "zuverlässige Informationen" vor, nach denen die militärischen Auseinandersetzungen durch ukrainische Freiwillige ausgelöst worden seien, die dort am Wochenende zum Angriff übergegangen seien.

Durch die Kämpfe um Awdijiwka habe es "eine beträchtliche Zahl von Opfern" gegeben, erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Die EU fordere "ein sofortiges Ende der Kämpfe". Die EU forderte einen ungehinderten Zugang der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in die Konfliktregion.

Das im Februar 2015 in Minsk geschlossene Friedensabkommen ist bis heute nicht vollständig umgesetzt. Bisher wurden in dem seit April 2014 andauernden Konflikt rund 10.000 Menschen getötet. Die EU wirft Moskau die Unterstützung der Rebellen vor und verhängte wegen der Ukraine-Krise umfassende Sanktionen gegen Russland.

Auch der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, forderte ein "Ende der Kämpfe". Die OSZE zeigte sich "tief besorgt". Sie forderte die ukrainische Regierung und die Aufständischen auf, bei den für Mittwoch in Kiew vereinbarten Gesprächen "spürbare Ergebnisse" zur Beilegung des Konflikts zu erzielen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte den prorussischen Einheiten am Montag bei einem Besuch in Berlin "barbarische Kriegsführungsmethoden" vorgeworfen. In den Gebieten der Aufständischen würden Waffen in Wohngebieten installiert, damit die ukrainischen Truppen "keine Möglichkeit haben zurückzuschießen", sagte Poroschenko bei einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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