Weltpolitik

Ansbach-Attentäter hatte möglicherweise einen Hintermann

Der Attentäter von Ansbach hat vor seinem Selbstmordanschlag möglicherweise Anweisungen von einem Hintermann bekommen. Bei den Ermittlungen wurden nach Angaben der Behörden Hinweise entdeckt, dass der 27-jährige Syrer kurz zuvor von einer unbekannten Person über einen Internet-Chat beeinflusst wurde. Offen blieb weiter, ob tatsächlich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dahintersteckt.

Ansbach-Attentäter hatte möglicherweise einen Hintermann SN/APA (dpa)/DANIEL KARMANN

Die Gruppe hat den Anschlag, bei dem am Sonntag 15 Menschen verletzt wurden, für sich reklamiert. Nach Angaben des IS war der Attentäter schon seit mehreren Jahren Mitglied des Terrornetzwerkes. In der aktuellen Ausgabe eines wöchentlichen Rundschreibens veröffentlichte der IS einen Nachruf und den mutmaßlichen Lebenslauf des Syrers, der sich in der Nähe eines Musikfestivals im bayerischen Ansbach in die Luft gesprengt hatte.

Die aktuelle Ausgabe wurde am Mittwoch in verschiedenen Netzwerken im Internet verbreitet, über die üblicherweise die Propaganda des IS geteilt wird. Die Echtheit der Angaben konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Wie in dem Nachruf steht, soll sich der Syrer schon früh der Vorgängerorganisation des IS im Irak angeschlossen haben. Nach Beginn der Aufstände in Syrien sei er in seine Heimat zurückgekehrt und habe "als einer der ersten Kämpfer gegen das Regime" in Aleppo eine kleine Gruppe gegründet, die auf den Bau von Granaten und Bomben spezialisiert gewesen sei. Wegen einer Verwundung habe er Syrien verlassen und sich später zu einer Aktion in Deutschland entschlossen.

Der Bericht behauptet auch, der Attentäter habe vor dem Anschlag in engem Kontakt mit "einem der Soldaten" des IS gestanden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte zuvor ebenfalls von intensiven Chatverläufen unmittelbar vor dem Anschlag gesprochen.

Die politische Diskussion über die Konsequenzen der jüngsten Anschläge auf die Flüchtlingspolitik nahm indes weiter an Fahrt auf. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnte zu Besonnenheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Donnerstag in Berlin erstmals ausführlich zu den Gewalttaten Stellung beziehen, sie unterbricht dazu ihren Sommerurlaub.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann teilte bei einer Kabinettsklausur am Tegernsee mit, dass der Ansbach-Attentäter "intensiven" Kontakt mit jemandem hatte, "der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat". Ob der Gesprächspartner vom IS kam und wo er sich aufhielt, konnte Herrmann nicht sagen. Der Minister bestätigte aber, dass bei dem abgelehnten Asylbewerber eine Rolle von 50-Euro-Scheinen gefunden worden sei.

Bei dem Selbstmord-Attentäter hatte ein psychologischer Gutachter schon Anfang 2015 einen aufsehenerregenden Suizid für möglich gehalten. Der Syrer sei ein "extremer Geist". Ihm sei "durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzt", heißt es in einer Stellungnahme, die für das Asyl-Gerichtsverfahren des späteren Täters erstellt wurde. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.

2014 stellte der Mann auch einen Asylantrag in Österreich. Wegen eines positiv beschiedenen Asylantrags in Bulgarien im Jahr 2013 sei dieser jedoch abgelehnt worden. Der Syrer sei nicht aus Österreich ausgewiesen worden, weil er über ein von Bulgarien ausgestelltes "Konventionsreisedokument" verfügte, das einen 90-tägigen Aufenthalt im Schengenraum erlaube, erklärte das Innenministerium. Berichte über eine Operation in einem österreichischen Spital konnte ein Sprecher jedoch nicht bestätigen.

Der 27-Jährige hatte sich am Sonntagabend im fränkischen Ansbach mit einer Bombe in die Luft gesprengt. Wenige Tage zuvor war ein 17-Jähriger in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste losgegangen. Fünf Menschen werden verletzt. Der Attentäter, der sich in einem Video als IS-Kämpfer ausgab, wurde von der Polizei erschossen. In München erschoss ein 18-jähriger Amokläufer am Freitagabend neun Menschen, bevor er sich selbst tötete.

Die Gewalt-Serie und die Folgen werden auch Thema der großen Pressekonferenz sein, die Merkel wie jeden Sommer in Berlin gibt. Ursprünglich hatte sie damit bis nach den Ferien warten wollen. Bei gleicher Gelegenheit hatte sie Ende August vergangenen Jahres zur Flüchtlingskrise gesagt: "Wir schaffen das." Die Zweifel daran sind inzwischen größer geworden. Rechtspopulistische und nationalkonservative Parteien in Europa nutzen die Gewalttaten auch für Kritik an der Kanzlerin.

Quelle: Apa/Dpa

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