Weltpolitik

Anschlag mit Lkw in Berlin: Neun Tote und Dutzende Verletzte

Im Zentrum von Berlin ist am Montagabend ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt am Kurfürstendamm gerast - mindestens neun Menschen wurden nach Angaben der Polizei getötet. Zudem gab es demnach etwa 50 Verletzte. Es werde geprüft, ob es sich um einen Anschlag oder einen Unfall handle, hieß es weiter. Zahlreiche Politiker äußerten sich bestürzt.

"Im Moment müssen wir sagen, dass beide Richtungen möglich sind", sagte ein Polizeisprecher gegen 23.00 Uhr. "Manche Parallelen drängen sich auf", fügte er im Hinblick auf Mutmaßungen über einen Anschlag hinzu. Gesicherte Erkenntnisse gab es demnach aber zunächst nicht. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen, wie der deutsche Justizminister Heiko Maas im Internetdienst Twitter mitteilte.

Ein Mann, bei dem es sich offenbar um den Fahrer des Lkw handelte, wurde laut Polizei festgenommen. Der Beifahrer sei einer der neun Toten, hieß es weiter. Nach Angaben einer Polizeisprecherin waren unter den Verletzten auch vier Schwerverletzte. Der Weihnachtsmarkt wurde weiträumig abgesperrt.

Der Sattelzug mit polnischem Kennzeichen war laut Polizei von der Seite Kantstraße/Budapester Straße in der Nähe des Bahnhofs Zoo kommend etwa 60 bis 80 Meter weit über den Weihnachtsmarkt an der berühmten Gedächtniskirche gerast. Danach sei er zurück auf die Budapester Straße gefahren und dort zum Stehen gekommen.

Passanten berichteten nach Angaben des Berliner "Tagesspiegel" von einem lauten Knall. Zahlreiche Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge der Polizei sowie Teams der Spurensicherung waren an Ort und Stelle. Auch zahlreiche Polizisten mit Maschinengewehren waren zu sehen.

Die Polizei rief die Bewohner der deutschen Hauptstadt zur Ruhe auf. "Bleiben Sie zu Hause und verbreiten Sie keine Gerüchte", schrieb die Polizei am Montagabend auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Hinweise auf weitere gefährdende Situationen in der Berliner City gebe es nicht.

Zahlreiche deutsche Politiker äußerten sich bestürzt. "Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt", erklärte der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck. "Wir trauern um die Toten am Breitscheidplatz und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die deutsche Regierungschefin stand demnach in Kontakt mit den Sicherheitsbehörden.

"Meine Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzen des schrecklichen Vorfalls", erklärte auch der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere in Berlin. Er bot dem Land Berlin Unterstützung durch die Bundespolizei an. Maas sprach auf Twitter von "schockierenden Nachrichten". "Ich bin tief erschüttert über die schrecklichen Nachrichten", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) fuhr nach Bekanntwerden des Geschehens zum Breitscheidplatz. Er rief die Bürger zur Ruhe auf: Die Situation sei unter Kontrolle, Krankenhäuser wie die Charite seien darauf eingestellt, viele Verletzte aufzunehmen.

Auch ausländische Politiker drückten ihr Mitgefühl und ihre Solidarität aus. "Die Franzosen teilen die Trauer der Deutschen angesichts dieser Tragödie, die ganz Europa trifft", erklärte Frankreichs Präsident Francois Hollande in Paris.

Die USA verurteilten den tödlichen Zwischenfall scharf. Eine Mitteilung des Nationalen Sicherheitsrates sprach am Montag davon, es habe sich vermutlich um einen terroristischen Anschlag gehandelt. Man habe der deutschen Regierung Unterstützung angeboten.

Österreichische Spitzenpolitiker reagierten ebenfalls mit Entsetzen auf die Vorkommnisse. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) meinte via Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen: "Nach genauer Analyse brauchen wir besonnene, konsequente Antworten." Auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) sprachen auf Twitter von einem schrecklichen Anschlag und kondolierten den Familien der Opfer.

Das Außenministerium in Wien hat bisher keine Hinweise auf österreichische Opfer bei dem möglichen Anschlag. Zum jetzigen Zeitpunkt könne dies aber noch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, sagte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer am Montagabend zur APA. In der österreichischen Botschaft in Berlin sei ein Krisenstab eingerichtet worden, der mit den lokalen Behörden in Kontakt stehe. Das Außenministerium habe zudem eine Hotline zu den Geschehnissen in Berlin eingerichtet.

Quelle: Apa/Dpa

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