Kopf des Tages

Antonio Guterres tritt an die Spitze der Vereinten Nationen

Er ist ein Mann der Tat. Der Portugiese Antonio Guterres, zehn Jahre lang Chef des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) und zuvor Ministerpräsident seines Heimatlandes, tritt am 1. Jänner an die Spitze der Vereinten Nationen.

Ich gelobe: Antonio Guterres bei der Vereidigungszeremonie am 1. Dezember 2016 im UNO-Hauptquartier in New York. SN/APA/AFP/EDUARDO MUNOZ ALVAREZ
Ich gelobe: Antonio Guterres bei der Vereidigungszeremonie am 1. Dezember 2016 im UNO-Hauptquartier in New York.

Schon vor dem Amtsantritt hat er klargemacht, dass in dem UNO-Apparat mit seinen 44.000 Mitarbeitern weltweit Änderungen bevorstehen.

"Die UNO muss wendiger und effizienter werden", sagte der 67-Jährige. Die Weltorganisation müsse "ihre Unzulänglichkeiten" anerkennen und "ihre Funktionsweise" ändern.

Immer wieder wurde Guterres als Kandidat für das Amt des portugiesischen Präsidenten gehandelt. Doch er sagte stets ab. "Ich mag die Aktion, Dinge, die mich dazu zwingen, ständig zu intervenieren."

Als Nachfolger des Südkoreaners Ban Ki-moon an der Spitze der UNO wird er dazu ab 1. Jänner reichlich Gelegenheit haben.

Einer der Brandherde, die gelöscht werden müssen, ist der Syrien-Krieg. Guterres hat ihn als "Krebsgeschwür von internationalem Ausmaß" bezeichnet. Nicht nur das syrische Volk habe darunter zu leiden, vielmehr sei der Krieg in Syrien inzwischen eine "globale Gefahr".

Unklar ist, welche Konsequenzen die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten für die weitere Arbeit der UNO haben wird. Guterres will Trump "so schnell wie möglich" treffen.

Der künftige US-Präsident hat der UNO ein "enormes Potenzial" bescheinigt, das aber nicht genutzt werde. "Wann sehen Sie die Vereinten Nationen Probleme lösen?", sagte Trump vor Journalisten. "Das tun sie nicht, sie schaffen Probleme."

Guterres hat seinerseits Kritik an den UNO-Friedensmissionen geübt. Die Einsätze müssten "wendiger und effizienter werden". Es sei "an der Zeit, dass die UNO ihre Unzulänglichkeiten anerkennt und ihre Funktionsweise ändert". Schon hat Guterres drei Frauen ernannt, die ihm bei der Umsetzung von Reformen helfen sollen.

Die nigerianische Umweltministerin Amina Mohammed wird seine Stellvertreterin, die Brasilianerin Maria Luiza Ribeiro Viotti seine Stabschefin, die Südkoreanerin Kang Kyung-wha seine Sonderberaterin für politische Angelegenheiten.

Mit dem Amt des UNO-Generalsekretärs wird eine lange und facettenreiche politische Karriere des Portugiesen gekrönt: Guterres war zunächst in katholischen Bewegungen aktiv, bevor er 1974 kurz nach der portugiesischen "Nelkenrevolution" in die Sozialistische Partei (PSP) eintrat. 1976 wurde er ins erste demokratische Parlament seines Landes nach dem Fall der Diktatur gewählt. Von 1981 bis 1983 war Guterres außerdem Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. 1992 wurde er zum Generalsekretär der oppositionellen Sozialisten gewählt.

Von 1995 bis 2002 war Guterres Ministerpräsident Portugals, im Jahr 1999 führte der überzeugte Europäer sein Land in die Eurozone. Als Portugal im ersten Halbjahr 2000 die EU-Präsidentschaft innehatte, richtete es den ersten EU-Afrika-Gipfel aus und brachte die Unterzeichnung des Lissabon-Vertrags für Wachstum und Beschäftigung zustande.

So richtig von sich reden machte Guterres international aber erst, als er 2005 UNO-Flüchtlingskommissar wurde. In seinen zehn Jahren an der Spitze des UNHCR verringerte er den in Genf ansässigen Verwaltungsapparat um ein Drittel und steigerte die Flexibilität der Organisation bei der Reaktion auf internationale Krisen.

Der gelernte Ingenieur, der mit Leichtigkeit zwischen Portugiesisch, Französisch, Englisch und Spanisch hin- und herwechselt, hat zwei Kinder aus der Ehe mit seiner ersten Frau, die 1998 starb. Inzwischen ist der bekennende Katholik wieder verheiratet.

(Apa/Afp)

Aufgerufen am 11.12.2017 um 06:19 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/antonio-guterres-tritt-an-die-spitze-der-vereinten-nationen-567679

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